Gottschalk, Alfred
Aus ErPort
Alfred Gottschalk
Stolpersteinstandort: Do-Brackel, Wickeder Hellweg 118
Nach den hier vorliegenden Unterlagen zog die Familie Gottschalk im Jahre 1910 in das Haus Wickeder Hellweg.
Das Zuzugsdatum war mit dem Geburtsdatum des Sohnes Alfred (17.8.1910) identisch.
Die Familie bestand aus:
Siegmund/Sigmund Gottschalk, * 12.10.1876 in Hemer, + 6.4.1943 in Theresienstadt
Martha Gottschalk, geb. Steinweg, * 25.8.1884 in Wickede, + 2.10.1943 in Theresienstadt
Alfred Gottschalk, * 17.8.1910 in Wickede, verschollen, möglicher Todesort Cosel.
Weitere Kinder sind im Hausstandsbuch Wickeder Hellweg nicht verzeichnet.
Soweit erkennbar, wurden die Eltern Ende der 40er Jahre auch vom Amtsgericht Dortmund für tot erklärt.
Die konkreten Todesdaten sind dem Theresienstädter Gedenkbuch entnommen.
Die Eintragungen im Hausstandsbuch Wickeder Hellweg 118 sind von schlechter Qualität und nur eingeschränkt lesbar. Man kann ihnen jedoch entnehmen, dass die Familie am 5.5.1939 zur Museumsstr. 5 (in der Broschüre „Gegen das Vergessen“ fälschlich Münsterstr. 5), einem sogenannten „Judenhaus“, abgemeldet wurde.
Der Sohn Alfred meldete sich dort am 15.5.1939 nach Antwerpen ab.
Die Eltern waren am 10. oder 12.12.1941 zu einem weiteren Umzug zur Münsterstr. 80 gezwungen.
Im Hausstandsbuch Münsterstr. 80 sind die Abmeldevermerke vielfach kaum lesbar. Beim Ehepaar Gottschalk scheinen keine Abmeldeeinträge vorgenommen worden zu sein. Dafür sind nachträglich die Todesfeststellungen dort verzeichnet worden.
Nach allen weiteren Quellen sind die Eheleute mit dem Transport vom 29./30.7.1942 von Dortmund nach Theresienstadt deportiert worden und zu den angegeben Daten dort verstorben. Sie sind als Opfer der Shoah anzusehen.
Der Sohn Alfred wird im „Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden ...“ des Bundesarchivs als „verschollen“ (möglicher Todesort) „Cosel“ aufgeführt.
Sein weiterer kurzer Lebensweg nach dem Wegzug nach Antwerpen lässt sich nur vermuten.
Lt. Broschüre der Steinbrink-Grundschule lebte er dort im Centre de Réfuges Marquain les Tournaj und wurde von dort nach Gurs deportiert. Wahrscheinlich hat er beim Vormarsch der deutschen Truppen im Mai 1940 die Flucht nach Süden angetreten und wurde von den französischen Behörden aufgegriffen und im Lager Gurs interniert.
Ein Teil der Internierten wurde später den Deutschen ausgeliefert und die jüdischen Häftlinge zumeist nach Auschwitz gebracht.
Das CCP-Lagerverzeichnis führt jüdische Arbeitskommandos in Birawa und Blechhammer Krs. Cosel(Oschl.) auf.
Das Kommando Blechhammer ist dabei ausdrücklich als ein Außenlager von Auschwitz gekennzeichnet.
Für Siegmund und Martha Gottschalk wurden Wiedergutmachungsanträge gestellt und anerkannt. Diese Anträge erfolgten nicht durch den Sohn als Haupterben, sondern durch eine Erbengemeinschaft. Dies lässt den Schluss zu, dass man bei der Antragsbearbeitung vom Tod des Sohnes ausging.
Es kann als gesichert angesehen werden, dass auch der Sohn Alfred Gottschalk ein Opfer des Holocaust wurde.