Bauernschmitt, Rosemarie
Aus ErPort
Rosemarie Bauernschmitt
Stolpersteinstandort: Do-Nord, Lessingstr. 67/67a
Familie Bauernschmitt bestand aus:
dem Vater Georg Bauernschmitt, *23.7.1885 in Pößneck,
der Mutter Sabina Bauernschmitt, geb. Herz, *23.2.1887 in Krefeld,
und den Töchtern Ruth, *25.8.1915 in Krefeld,
Rosemarie, *27.1.1920 in Dortmund,
Lore *7.6.1925 in Dortmund-Eving
Der Familienvater entstammte der Familie des Brauers/Magazinverwalters Georg Bauernschmidt. *21.10.1862 in Bamberg, der von 1904 bis zu seinem Tode 1938 in der Steigerstr. 7 wohnte.
Georg Bauernschmitt taucht in den diversen Adress- und Hausstandsbüchern als Kellner, Oberkellner, Wirt und Buffetier auf. Im Adressbuch 1927 wird er als Wirt bezeichnet und noch „Lokal Hardenberghafen“ hinzugefügt.
Als gemeinsame Wohnsitze des Ehepaares konnte zuerst die Steigerstr. 7 festgestellt werden. Georg Bauernschmitt zog dort 1914 (wieder) zu. Sabine Bauernschmitt kam im Frühjahr 1915 hinzu. Beide werden zuerst als ledige Personen eingetragen. Sie heirateten am 9.2.1915 in Dortmund. Bei dieser Ehe handelte es sich um eine oft verpönte konfessionelle Mischehe. Der Ehemann war katholisch, die Ehefrau gehörte der jüdischen Religion an. Beide verblieben auch nach der Eheschließung in ihren Religionsgemeinschaften.
Georg Bauernschmitt wurde am 24.2.1915 zum Militär eingezogen. Die Ehefrau pendelte wohl mehrfach zwischen Krefeld und Dortmund hin und her. Am 25.8.1915 kam die erste Tochter Ruth in Krefeld zu Welt. Die Töchter wurden der Religionsgemeinschaft der Mutter zugeführt.
Die folgenden Wohnsitze lassen sich - trotz lückenhafter Überlieferung der Adress- und Hausstandsbücher – eingeschränkt rekonstruieren:
2.6.1919 bis 13.12.1924 Burgholzstr. 61
13.12.1924 bis ca. 1928 Lütgeheiderstr. 199
ca. 1928 bis 31.5.1929 I. Kampstr. 126
31.5.1929 bis 1.8.1938 Lessingstr. 67
ab 1.8.1938 Bornstr. 113
Das Haus Bornstr. 113 hatte den Charakter eines Judenhauses.
Mit den Machtantritt der Nazis war auch die Familie Bauernschmitt den antijüdischen Repressionen ausgesetzt. Durch die „Nürnberger Gesetze“wurden Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden verboten, doch die bestehenden Ehen blieben bestehen, waren sogenannte bevorrechtigte Ehen.
Die Kinder aus diesen Ehen wurden „rassisch“ als „Halbjuden“ angesehen. Sofern diese aber der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten, wurden sie als „Geltungsjuden“ wie „Volljuden“ angesehen und waren ebenfalls dem kompletten Katalog der Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt.
Für die Töchter bedeutete dieses, dass auch sie in die seit Winter 1941/42 einsetzenden Deportationen in den Osten ausgesetzt waren.
Ruth, Rosemarie und Lore wurden auf die Deportationsliste nach Zamosc in Südostpolen gesetzt und am 30.4.1942 vom Dortmunder Südbahnhof mit ca. 800 weiteren Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg abtransportiert.
Aus diesem Transport sind keine Überlebenden bekannt. Im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ [1] wurden die Deportierten mehrheitlich in den Vernichtungslagern Belzec und Sobibor umgebracht.
Vom Dortmunder Transport ist bekannt, dass eine große Zahl bereits in der zweiten Maihälfte selektiert und vernichtet wurde. Nur „Arbeitsfähige“ blieben etwas länger am Leben.
Einige der vorerst Überlebenden konnten noch Nachrichten nach Hause senden, darunter auch Ruth Bauernschmitt.
Entsprechende Nachrichten von Deportierten nach Hause werden im Marsberger Stadtarchiv aufbewahrt. Die letzte Nachricht dort stammt aus dem August 1942. Es gibt Hinweise darauf, dass einige noch bis Anfang 1943 überlebten, danach bricht die Überlieferungskette ab.
Es muss davon ausgegangen werden, dass die drei Töchter Bauerschmitt in der zweiten Jahreshälfte 1942, spätestens aber zu Beginn 1943 Opfer der Shoah wurden.
Die Mutter Sabina Bauernschmitt verstarb am 7. November 1950 im Dortmunder Johannishospital.
Der Vater Georg Bauernschmitt verstarb am 14. November 1957 in den städtischen Kliniken in
Dortmund.
Ruth, Rosemarie und Lore Bauernschmitt sind eindeutig Opfer der Shoah.