Bericht Gedenkstättenfahrt Auschwitz 2011

Aus ErPort

Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Botschafter der Erinnerung für Menschenrechte einstehen

Dortmunder Jugendgruppe besucht ehemaliges Vernichtungslager Auschwitz – Oberbürgermeister zwei Tage dabei

Oberbürgermeister Ullrich Sierau im Gespräch mit Jugendlichen (Foto: Hartmut Anders-Hoepgen)

"Ich bin gebeten worden, Mut-Mach-Worte zu sprechen, doch Ihr seid es, die mir in den letzten zwei Tagen Mut gemacht haben." Mit diesen Worten bedankte sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei 30 Dortmunder Jugendlichen und ihren Begleitern aus Schule, Jugendverband und Jugendfreizeitstätte zum Abschluss einer bewegenden Gedenkzeremonie anlässlich des Jahrestages der Befreiung an der sogenannten Judenrampe im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die Gruppe aus Dortmund war im Rahmen einer siebentägigen Studienfahrt des Jugendring Dortmund nach Berlin und Auschwitz gereist, um sich an historischen Orten und in vielen Gesprächen über die unvorstellbaren Verbrechen des Naziregimes zu informieren. Sierau hatte die Gruppe zwei Tage in Auschwitz begleitet.


An der sogenannten Judenrampe endete für über eine Million Menschen aus ganz Europa die Fahrt mit der Reichsbahn in den Tod. Für die Meisten führte der letzte Weg direkt in die Gaskammern. Diejenigen, die von den SS-Ärzten als arbeitsfähig eingestuft wurden, kamen in die Arbeitslager, wo nur wenige überlebten. An dem Ort, an dem in barbarischer Missachtung der Menschenrechte Hunderttausende in den Tod geschickt wurden, trafen die jungen Dortmunderinnen und Dortmunder gemeinsam mit Oberbürgermeister Sierau und dem Vorsitzenden des Jugendring Dortmund, Dirk Loose, ihre Entscheidung für das Leben: Gemeinsam wollen sie als Botschafter der Erinnerung das Vermächtnis der letzten Überlebenden wahren und für die Menschenrechte einstehen.

Dortmunder Jugendliche führten den OB und den Vorsitzenden des Jugendring durch das Stammlager Auschwitz I (Foto: Thomas Oppermann)

Eingeladen zu der Studienfahrt waren in der lokalen Spurensuche, der Antirassismusarbeit, der Friedensarbeit und der Gestaltung von Gedenkfeiern engagierte Jugendliche der Droste-Hülshoff-Realschule, der Johann-Gutenberg-Realschule, des Bert-Brecht-Gymnasiums, des Falken Ortsverbands Brackel und der städtischen Jugendfreizeitstätte Eving. Sie wurden begleitet von Akteuren aus Politik und Erinnerungsarbeit, was eine generationenübergreifende Auseinandersetzung mit dem Schrecken der millionenfachen Vernichtung menschlichen Lebens ermöglichte.


Die Fahrt, die vom 22. bis 28. Januar 2001 dauerte, begann in Berlin im Haus der Wannseekonferenz. Auf dieser Konferenz wurde am 20. Januar 1942 die Massenvernichtung der europäischen Juden organisiert und koordiniert. Von dort ging es weiter in das polnische Oświęcim, wo sich der größte Komplex deutscher Konzentrationslager aus der Zeit des Nationalsozialismus befindet. In geführten Besichtiungen erhielt die Gruppe einen intensiven Einblick in den Lageralltag, das System der Vernichtung durch Arbeit in den umliegenden Chemiewerken und die Massenvernichtung in den Gaskammern. Die anschließenden Gespräche dauerten oft bis tief in die Nacht, sie halfen das Entsetzen, die Wut und die Trauer für den Augenblick zu verarbeiten.


Die Dortmunder Gruppe mit dem Holocaustüberlebenden Tadeusz Sobolewicz (Foto: Jugendfreizeitstätte Eving)

Mut machte das Gespräch mit dem Holocaustüberlebenden Tadeusz Sobolewicz. Er überlebte den Schrecken des Konzentrationslagers Auschwitz. In bewegenden Worten ließ er die Gruppe an seinen Erinnerungen teilhaben und forderte sie auf, diese Erinnerungen zu bewahren und weiterzutragen, "... denn es gibt nicht mehr viele von uns." Gerne nahmen die Jugendlichen diese Aufgabe an.


Als Botschafter der Erinnerung kamen die jungen Menschen zurück nach Dortmund. Sie werden über ihre Erfahrungen berichten, das Vermächtnis der Überlebenden wahren aber auch denen entgegen treten, die als geistige Erben der Mörder von Auschwitz die Menschenrechte heute mit Füßen treten. Die Unterstützung des Oberbürgermeisters und des Jugendring Dortmund ist ihnen gewiss.


In Zusammenarbeit mit:

Internationales Bildungs- und Begegnungswerk (IBB e.V.)

Mahn- und Gedenkstätte Steinwache


Unterstützt durch:

Bild:koordinierungsstelle_vielfalt_dortmund.png


Bild:stiftung_erinnern_ermoeglichen.png