Breit angelegte Spurensuche
Aus ErPort
Breit angelegte Spurensuche (WR 4.2.08)
Dortmund, 04.02.2008, Von Alexander Völkel
Hannelore Daniel aus Kirchlinde war eines von hunderttausenden Kindern, die Opfer der NS-Ideologie wurden. Das jüdische Mädchen wurde verfolgt und ermordet. Das Besondere an ihr: Schülerinnen wollen ihren Namen in Erinnerung halten.
Laura Wollost und Ceylan Apel von der Droste-Hülshoff-Realschule haben mit ihren Mitschülern und Lehrerin Elke Gagon das Schicksal des jüdischen Mädchens und ihrer Familie erforscht. Ihre Ergebnisse werden sie - gemeinsam mit anderen Spurensuchern - auch in der rollenden Ausstellung "Zug der Erinnerung" vom 10. bis 13. Februar im Dortmunder Hauptbahnhof präsentieren. Die Schülerinnen waren dafür im Stadt- und im Zeitungsarchiv sowie bei Daniels letzter Adresse in der Heckelbeckstraße."So lange die Juden nicht verfolgt wurden, war es schön mit Hannelore zu spielen", berichtete die frühere Nachbarin Karla Uthe (86). "Sie hatte lange schwarze Locken - ein hübsches Mädchen." Im Mai wäre sie 80 Jahre alt geworden. Allerdings starb sie mit ihren Eltern in Auschwitz. Das Andenken an die Familien Daniel und Hayum wollen die Schülerinnen lebendig halten. Die Stolpersteine, die Künstler Gunter Demnig am heutigen Dienstag für drei legt, sollen nur der Anfang sein.
Weitere sollen folgen - auch für Hannelore. Ihre Geschichte soll nicht in Vergessenheit geraten. Daran arbeitet auch der Jugendring mit zahlreichen Organisationen zusammen. Im Zug der Erinnerung sollen erste Ergebnisse der Suche nach 102 Dortmunder Kindern gezeigt werden, die während der NS-Zeit deportiert wurden. "Diese Forschung ist ein langer Prozess", berichtet Marsha Mertens. Viele Schulen haben bereits geforscht, aber auch Jugendverbände und Institutionen. Deren Ergebnisse sollen nun gebündelt werden. Im Mittelpunkt steht das Stadtarchiv, berichtet der Vorsitzende des Jugendrings, Andreas Roshol. Tausende von Datensätzen sind dort bereits recherchiert worden, aber nur an einem einzigen PC abrufbar.
Roshol sieht daher den Zug als Start zu einer breit angelegten Spurensuche. "Wir wollen ein Erinnerungsportal im Internet starten, in dem alle Schicksale gebündelt und recherchierbar sind." Alle Spurensucher können mitmachen. Die Internetseite gibt es schon: www.spuren-suchen.de. Dort steht bislang "nur" das Programm zum Zug der Erinnerung.