Czerkus, Heinrich

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Heinrich Czerkus

Stolpersteinstandort: Do-Nord, Schlosserstr. 42


Heinrich Czerkus
Stolperstein für Heinrich Czerkus - verlegt am 4.12.2006


Aus Anlass des 60igsten Jahrestages der Morde in der Bittermark wurde von den NaturFreunden Dortmund-Kreuzviertel im Jahre 2005 der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf ins Leben gerufen. Dieser Lauf findet seitdem jährlich am Karfreitag statt. Hierzu wurde folgende Chronologie des Lebens von Heinrich Czerkus erstellt:



Heinrich Czerkus – Widerstandkämpfer und Platzwart beim BVB

27.10.1894 > geboren in Münne (Kreis Heidekrug) in Westfalen. Das scheint nicht eindeutig zu sein. Laut Stadtarchiv: Im Hausstandsbuch ist dagegen Minge/Heydekrug angegeben. Während der Ort Münne/Westfalen im Internet nicht identifiziert werden konnte, ist das ostpreußische Minge im Kreis Heydekrug nachweisbar.

09.07.1920 > Laut Hausstandsbuch zog Heinrich Czerkus von Kirchlinde kommend in der Schlosserstr. 42 zu. Gleichzeitig zogen mit ihm drei weitere männliche Personen mit der Geburtsortsangabe Minge/Heydekrug zu, darunter Fritz August Czerkus. Zwei Personen verließen bereits nach einem Monat wieder die Schlosserstr., Fritz August Czerkus im Jahr 1922. Heinrich Czerkus wohnte somit in der Schlosserstraße fast die Hälfte seines Lebens.

1920 > Eintritt in die KPD

1921 > Kassierer der KPD im Block 6 (Borsigplatz) und arbeitete als Schlosser bei Hoesch.

1924 > Leiter der Frauengruppe des Unterbezirks Dortmund der KPD

1925 > Erwerbslos. Er übernahm eine führende Rolle im „Erwerbslosen-Ausschuß des Magistrats von Groß-Dortmund“. Er wurde Platzwart der „Weißen Wiese“, des 1924 ausgebauten Borussia Sportplatzes. Die Polizeibehörde stellt über Heinrich Czerkus fest: „er erhält die Mehrzahl seiner Aufträge direkt von der Berliner Zentrale oder der Bezirksleitung in Essen; zudem ist Czerkus Wanderredner und als solcher nur schwierig zu überwachen.“

20.11.1925 > In einem als „geheim“ deklarierten Aktenvermerk der Polizei Dortmund wurde folgende Personenbeschreibung über Heinrich Czerkus festgehalten: „Haar: blond, gelichtet; Bart: kleiner Schnurrbart; Gesicht: länglich, eingefallen; Stirn: niedrig; Nase: groß; Ohren: mittel; Augenbrauen: bogenförmig; Mund: mittel; Zähne: vollständig; Kinn: spitz; Hände und Füße: normal; Gang/Haltung: aufrecht; Sprache: deutsch; besondere Kennzeichen: kleine Warze auf der linken Wange; Bekleidung: brauner Anzug mit weißen Streifen, schwarzen Schuhe, grünlicher Lodenmantel; schwarzer Hut.“

12.3.1933 > Wahl, zusammen mit 15 anderen KommunistInnen, in das Stadtparlament. Heinrich Czerkus kandidierte auf der Liste 24 „Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern“.

3.4.1933 > Ausschluss der Kommunisten auf Anweisung von Göring von der ersten Parlamentssitzung. Aber erst die Verhaftung von 4 Mandatsträgern der SPD sichert der NSDAP die Mehrheit.

Nach 1933: > Irmbert Kistner: „Vielleicht mit Ausnahme von Heinrich Czerkus, der immer wieder kommunistische Handzettel verteilte. Mein Vater sagte oft zu ihm: ‚Heini, lass das sein, das ist viel zu gefährlich, die sind doch hinter dir her.’ Unabhängig davon wurde er aber von ‚seiner’ Borussen-Familie immer gedeckt. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, Czerkus zu verpfeifen. Im Gegenteil wirkte die Verfolgung Czerkus abstoßend auf die Borussen und führte zusätzlich zu einer kritischen Einstellung den Nazis gegenüber“. So stellte auch der BVB-Führer August Busse Heinrich Czerkus die Druckmaschine der BVB-Geschäftsstelle – wohlwissend was damit gedruckt wurde - zur Verfügung. Da der Platzwart auch mit Busses Familie befreundet war, wurde er auch von ihnen gedeckt, denn dieser wurde mehrfach observiert und verfolgt. Gerhard Busse – Sohn des BVB-Führers: „Ein Nachbar von uns war Polizeioffizier. In den 30er Jahren suchte man mal wieder Heinrich Czerkus, und der Nachbar kam deshalb zu uns, um meinen Vater zu ermahnen, in Wahrheit aber, um ihn zu informieren, dass man vermutete, Czerkus könne sich auf dem „Borussia-SportpIatz" versteckt halten. Gefasst hat man ihn dort selbstverständlich nie. So unvorsichtig war er nicht. Und wenn doch einmal, dann klappte der vereinsinterne Informationsdienst. Auch der durch unseren Nachbarn, den Polizisten.“

Zwischen 7. und 30.3.1945 > Ermordung durch die Nazis im Rahmen einer Willkür- und Terroraktion zusammen mit 300 anderen WiderstandskämpferInnen, Kriegsgefangenen, ausländischen ZwangsarbeiterInnen im Rombergpark und in der Bittermark. Im Hausstandsbuch wurde sein Todestag am 15.4.1945 geführt. Dieser kann nicht genau festgestellt werden. Die letzte Erschießungsaktion fand am 12.4.1945 statt.

19.4.1945 > wurde seine Leiche im Rombergpark gefunden.

Heinrich Czerkus musste für seine politische Überzeugung und seinen Widerstand gegen die Nazis mit dem Leben bezahlen.

Heinrich Czerkus - auf den Schultern von Kollegen


Quellen: Gerd Kolbe – „Der BVB in der Nazi-Zeit“ Stadtarchiv – Dr.Högl – „Widerstand und Verfolgung 1933-1945 Lore Junge – „Mit Stacheldraht gefesselt“


Über Heinrich Czerkus gibt es auch zwei Kurzbiographien und zwar: in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Abschnitt „Die Gestapo-Morde im Rombergpark und in der Bittermark“ sowie im Katalog der Mahn- und Gedenkstätte und in Lore Junge: Mit Stacheldraht gefesselt. Die Rombergparkmorde. Opfer und Täter, Bochum 1999, S.36f.