Dannenbaum, Olga
Aus ErPort
Olga Dannenbaum
Stolpersteinstandort: Do-Lütgendortmund, Limbecker Str. 6
Die Familie des Levi Dannenbaum war über mehr als drei Jahrzehnte in Lütgendortmund ansässig.
Da der Bestand der Adressbücher recht lückenhaft ist und das System der Hausstandsbücher wohl erst mit der Eingemeindung nach Dortmund 1928 eingeführt wurde, lässt sich die Familiengeschichte nur in groben Zügen rekonstruieren, zumal auch noch die überlieferten Hausstandsbücher sich in einem kaum lesbaren Zustand befinden.
Die Familie bestand aus:
Levi Dannenbaum, *17.11.1864 in Oespel
und
Mina Dannenbaum, geb. Hoffmann, *25.7.1867 in Castrop
Die Anzahl der Kinder des Ehepaares ist nicht bekannt. Sie hatten aber zumindest einen Sohn, der später in Hannover lebte und die Tochter
Olga Dannenbaum, *25.12.1903 in Aplerbeck.
Die Eltern des Levi Dannenbaum waren der Metzger gleichen Namens und seine Ehefrau Sara, geb. Junckermann , die bis zu ihrem Lebensende in Oespel wohnten.
Levi, der meist unter dem Namen Louis – manchmal auch Luis geschrieben – auftrat, war Viehhändler. In der Geburtsurkunde seiner Tochter wird er auch als Kaufmann bezeichnet.
Er heiratete am 3.7.1894 in Castrop seine Frau Mina geb. Hoffmann in Castrop.
Anhand der Geburtsurkunde der Tochter Olga ist nachweisbar, dass die Familie Ende 1903 in Aplerbeck, Markt 14, lebte.
Nach dem später angelegten Hausstandsbuch zog die Familie am 24.9.1912 in die Limbecker Str. 6 in Lütgendortmund. Sie war aber bereits vorher in Lütgendortmund ansässig geworden, da als vorhergehende Anschrift die Neu Iserlohner Str. 6 angegeben wird.
Das Ehepaar lebte, nachdem die Kinder das Haus verlassen hat, weiterhin in der Limbecker Str. 6.
Am 23. Dezember 1933 verstarb die Ehefrau in ihrer Wohnung. Der weitere Weg von Levi/Louis Dannenbaum ist bedingt nachzuvollziehen, da die Hausstandsbücher nur sehr eingeschränkt lesbar sind. Auch die Dortmunder Adressbücher weisen bezüglich des Nachweises seiner Person Lücken auf.
Anscheinend hat Levi/Louis Dannenbaum Lütgendortmund für einige Zeit verlassen. Mitte Juli 1936 zog er von Merzhausen in die Limbecker Str. 32. Anfang Dezember 36 wechselte er dann in das Haus ‚Im 2. Westfeld 5’. Gleichzeitig mit ihm zog dort seine Tochter Olga ein.
In seiner Wohnung ist er am 6. April 1942 verstorben. Sein Tod wurde dem Standesamt durch den Gemeindediener der jüdischen Gemeinde gemeldet. Als Todesursache wurde Leberkrebs und Herzschlag angegeben. Da der Tod zu Hause eintrat, kann durchaus angenommen werden, dass die ärztliche Betreuung unzureichend war. Andererseits ist im Alter von 78 von einer natürlichen Todesursache auszugehen.
Die Tochter Olga Dannenbaum war von Beruf Verkäuferin und unverehelicht. Sie hatte das Elternhaus verlassen und sich eine eigene Wohnung bzw. ein Zimmer genommen.
Sie wohnte zeitweilig zur Untermiete bei der Familie Czepluch in der Dellwiger Str. 283, wechselte für einige Monate als Untermieterin zur Familie Jordan zur Limbecker Str. 12 und kehrte im Mai 1935 nochmals zur Familie Czepluch zurück. Von dort aus bezog sie dann mit Ihrem Vater die Wohnung ‚Im 2. Westenfeld 5’. Dort war sie offiziell noch gemeldet, als ihre Schwägerin Auguste Dannenbaum aus Hannover das Verfahren zu ihrer Todeserklärung beantragte.
Als die erste Deportation von Dortmunder Juden nach Riga geplant wurde stand unter der laufenden Nr. 136 Olga Dannenbaum mit auf der Deportationsliste. Sie war wohl darüber informiert und verständigte ihre Schwägerin, die daraufhin nach Lütgendortmund fuhr. Es wurde die Absprache getroffen, dass sie sich bei einer eventuellen Rückkehr zuerst in Hannover bei der Schwägerin melden sollte.
Als der Transport nach Riga nach einer Verschiebung am 27.1.1942 durchgeführt wurde, gehörte sie zu den Deportierten. In den Listen des Rigaer Gedenkbuches ist sie nicht enthalten. Da im Hausstandsbuch
Im 2. Westenfeld 5 kein Wegzugseintrag erfolgt war, wurde dort nachträglich protokolliert: „nach Angaben der Hausbewohner wurde Olga D. im Januar 1943 nach Dortmund beordert und mit dem Transport nach Riga gekommen sein. festgest. d. 7//5. “
Seit der Deportation ist Olga Dannenbaum verschollen und kein Lebenszeichen mehr erfolgt. Sie dürfte bereits nach kurzer Zeit in Riga umgekommen sein. Durch Beschluss des Dortmunder Amtsgerichts wurde sie am 3. April 1952 mit Wirkung vom 31.5.1945 für tot erklärt. Nach einem Widerspruch aus erbrechtlichen Gründen wurde das amtliche Todesdatum vom Amtsgericht Dortmund in einer Sitzung am 24.4.1953 nunmehr auf den 31.12.1944 festgelegt.
Während bei Levi/Louis Dannenbaum ein natürlicher Tod angenommen werden kann, ist Olga Dannenbaum eindeutig ein Opfer der Shoah.