Dehmel, Willi
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Dehmel, Willi
Willi Dehmel wurde am 17. April 1910 in der damals noch selbständigen Stadt Hörde geboren. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er erst als Bürobote, bekam dann aber die Möglichkeit eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Lange Zeit war er auch infolge der Weltwirtschaftskrise arbeitslos. Er war verheiratet und Vater zweier Töchter.
Dehmel trat im Oktober 1931 der KPD bei. Nach eigenen Aussagen will er im Juni 1932 wegen interner Differenzen wieder ausgeschieden sein. Wieweit dies nur eine Schutzbehauptung war, konnte nicht ermittelt werden. Dehmel war weiterhin auch über den Machtantritt der Nationalsozialisten hinaus politisch im Sinne der KPD tätig.
Ende Januar 1934 wurde er festgenommen und am 17. Januar 1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Elf Monate und drei Wochen U-Haft wurden angerechnet. Nach dem Ende der Strafhaft wurde er aber noch fast zwei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern festgehalten. Erst im Dezember 1937 kam er frei. Seine Ehefrau war ebenfalls aus politischen Gründen inhaftiert.
Nach der Haft konnte Dehmel keine Arbeit im erlernten Beruf finden, sondern fand nur zeitweilig als Bauhilfs- bzw. Tiefbauarbeiter Beschäftigung.
Dehmel war durch seine Haftstrafe eigentlich „wehrunwürdig“ geworden. Am 16. Oktober 1942 wurde er beim Wehrkreiskommando Dortmund „tauglich“ gemustert. Als bedingt Wehrwürdiger wurde er am 29. Januar 1943 zu einem Aufstellungs-Bataillon der Bewährungseinheit 999 eingezogen. Vom 25. Februar 1943 bis zum 9. Juni des Jahres gehörte er dem Afrika-Schützen-Regiment 963, ebenfalls eine 999er-Einheit, an. Infolge der Kapitulation des Afrika-Korps konnte diese Truppe nicht mehr zum geplanten Einsatzort in Nordafrika gebracht werden. Die Bataillone wurden in Festungsinfanteriebataillone umgewandelt, die als Besatzungstruppe in Griechenland Verwendung fanden. Vom 10. Juni 1943 bis zu seinem Tode gehörte Dehmel dem IV. Festungs-Infanterie-Bataillon 999 an.
Das Bataillon wurde im Juni/Juli 1943 nach Griechenland transportiert und wurde auf der Peloponnes stationiert. Dehmel fand als Melder, Fernsprecher und Granatwerfer-Munitionsschütze Verwendung. Er wurde bis zu dem Verfahren, das zu seinem Tode führte, weder disziplinarisch noch militärgerichtlich auffällig. Laut seinem Einheitsführer war er willig und eifrig im Dienst und „er sei geistig dem Durchschnitt weit überlegen und zu geschickt um aufzufallen. “Führung, dienstliche Kenntnisse und Leistungen wurden als „ziemlich gut“ bewertet. Einschränkend fügte der Vorgesetzte hinzu, dass Dehmel ihm ab Oktober 1943 “politisch nicht einwandfrei erschiene“.
In der zweiten Maihälfte wurde der Bataillonsführung bekannt, dass kurz zuvor ein kommunistisches Flugblatt innerhalb der Einheit zirkulierte. Aufgrund der Aussage eines wegen krimineller Delikte sechsmal vorbestraften Bewährungssoldaten wurde ein Verfahren in Gang gesetzt und fünf Bewährungssoldaten, darunter Willi Dehmel, und ein Obergefreiter der Stammmannschaften angeklagt. Die Anklagepunkte lauteten Kriegsverrat, Zersetzung der Wehrkraft und Nichtanzeige eines Kriegsverrats. Dehmel wurde wegen Zersetzung der Wehrkraft und Nichtanzeige eines Kriegsverrats angeklagt.
Am 4. Juni 1944 fand die Verhandlung vor dem Gericht der 41. Festungs-Division in der Ortsunterkunft des IV. Festungs-Infanterie-Bataillons in Amalias/Peloponnes statt. Der einzige Belastungszeuge konnte nicht vernommen werden, da er sich in Athen im Lazarett befand. Der Mann mit einer erheblichen kriminellen Karriere wurde von seinem Einheitsführer als „offener, ehrlicher Charakter“ dargestellt. Die Angeklagten stritten vieles ab, einige waren aber in Teilbereichen geständig.
Dehmel wurden Äußerungen aus einem Gespräch auf einer gemeinsamen Wache mit dem Denunzianten zur Last gelegt. Er bestritt die Darstellungen vollständig, doch wurde er, wie alle anderen Angeklagten, am Ende der Verhandlung zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 9. Juni 1944 an einer Brücke bei Amalias durch Erschießen vollstreckt. Er ist heute auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Athen bestattet.
In der Folge kam es noch zu weiteren Verfahren innerhalb der Einheit, die ebenfalls mit Todesurteilen endeten. Ein Ermittlungsverfahren gegen einen am Verfahren beteiligten Offizier wurde Anfang der 80er Jahre von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft NS-Verbrechen in Dortmund eingestellt.



