Koppel, Dr. Jakob
Aus ErPort
Dr. Jacob Koppel
Stolpersteinstandort: Do-Hörde, Vierchowstr. 14
Von Dr. jur. Jakob Koppel wurde eine Kurzbiographie in dem Buch „Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte und Notare während der Zeit des Nationalsozialismus – am Beispiel Dortmund, herausgegeben vom Anwalt- und Notarverein Dortmund e.V. veröffentlicht. Autor ist lt. Schreiben des Antragstellers vom 29.12.2005 sein Anwaltskollege Axel Pohlmann, der dabei wohl auf die Personal-Ersatzakte zurückgriff. Nach seiner Darstellung ging die ursprüngliche Personalakte durch Kriegseinwirkung verloren.
Im Adressbuch von 1933 ist Dr. Jakob Koppel mit der Wohnanschrift Virchowstr. 14 verzeichnet. Er hatte gleichzeitig ein Büro in der Semerteichstr. 185. Das Hausstandsbuch der Virchowstr. 14 ist in Kopie erhalten. Dort ist die Familie Koppel an erster Stelle eingetragen. Als Zuzugsdaten wurden für das Ehepaar der 3.2.1919 eingetragen. Da das System der Hausstandsbücher aber in Hörde erst mit der Eingemeindung eingeführt wurde, dürfte es sich hier um einen nachträglichen Eintrag handeln.
Die Ehe von Dr. Jakob Koppel und seiner Frau Klara wurde am 8.8.1919 in Hörde geschlossen. Die Familie bestand nach der Geburt der beiden Söhne aus:
Dr. Jakob Koppel, *8.8.1882 in Norden, + 7.10 1952 in Hörde
Klara/Cläre Koppel, geb. Gans, * 23.11.1895 in Hörde, + 16.5.1996 in Schwalmtal
Ernst Koppel, *24.5.1921 in Hörde, letzte bekannte Anschrift 1957 East Molesey
Werner Koppel, *17.4.1927 in Hörde, + 3.9.1948 in Kibbuz Jechiam bei Nahari-ja/Israel
Lt. Hausstandsbuch Virchowstr. 14 zog im August 1934 noch eine Frau Johanna Gans, geb. Löwenstein, *21.11.1868 in Steele, verw., von Holzwickede kommend zu. Dabei handelte es sich um die Mutter der Frau Koppel. Ansonsten wohnten dort bis Ende 1934 nur zeitlich befristet noch einige Personen, die sich unschwer als Haushaltspersonal der Koppels identifizieren lassen.
Am 4. Dez. 1934 verließ die gesamte Familie einschließlich Frau Gans das Haus und zog zur Seydlitzstr. 35. Das Hausstandsbuch der Seydlitzstr. 35 enthält neben einigen Hinweisen, die sich nicht immer zuordnen lassen, auch einige eindeutige Eintragungen.
Im Mai 1936 zog von Hamburg kommend eine ledige Martha Koppel, *9.12.1923 in Norden zu. Sie meldete sich bereits am 1.5.1936 nach Hamburg ab.
Bei der Schwiegermutter bzw. Mutter Johanna Gans ist vermerkt , dass sie am 25.8.1941 ohne Anmeldung in Körbecke angetroffen wurde. Die endgültige Abmeldung erfolgte am 29.7.1942 mit dem Eintrag „nach dem Osten abgewandert“. Dies entspricht der üblichen Formulierung bei den Personen, die mit dem Transport X/1 von Dortmund nach Theresienstadt deportiert wurden. Im Theresienstädter Gedenkbuch wird sie als „Befreite“ geführt. Sie ist am 5.1.1946 in Hörde verstorben. Als letzte Wohnanschrift ist wieder die damalige Anschrift des Ehepaares Koppel, Virchowstr. 14 angegeben.
Der ältere Sohn Ernst meldete sich am 11.4.1936 nach Ahlem bei Hannover ab. Dort befand sich eine israelische Gartenbauschule. Danach war er bis zum 10.11.1938 als landwirtschaftlicher Lehrling auf dem Gut Donhausen bei Bad Driburg tätig. Nach der Kristallnacht festgenommen, wurde er aufgrund seines jugendlichen Alters entlassen und floh über die Niederlande nach England. Dadurch konnte er den Holocaust überleben.
Für den Sohn Ernst wurde am 9.4.1940 die Abreise Richtung Palästina eingetragen.
Das Ehepaar Koppel musste am 16.4.1943 nochmals die Wohnung wechseln und zur Hermannstr. 50 ziehen. Dort lautete des Wegzugseintrag „unbekannt verzogen .. Staatspolizei“.
Lt. dem Theresienstädter Gedenkbuch, der die Ankunft des Ehepaares mit dem Transport X/3 am 20.5.1943 verzeichnet, betrug der Aufenthalt in der Hermannstr. 50 nur wenig mehr als einen Monat.
Aus der Biographie Dr. Koppels geht hervor, dass er Frontkämpfer und Kriegsversehrter des I. Weltkriegs war und damit zeitweilig unter Ausnahmeregelungen fiel. Dies erklärt auch die für Dortmund relativ späte Deportation nach Theresienstadt. Das Ehepaar Koppel überlebte den KZ-Aufenthalt in Theresienstadt und kehrte nach Dortmund zurück und zog am 15.9.1945 wieder in die Nervierstr. 14. Im Hausstandsbuch ist der Tod von Dr. Koppel verzeichnet. Seine Witwe verzog erst 1955 erst in die Innenstadt, dann 1957 nach Waldniel, wo sie im Alter von mehr als 100 Jahren am 16.5.1996 starb.
Dr. Koppel, so geht aus seiner Biographie hervor, wurde zwar nochmals als Anwalt und Notar zugelassen , war aber nur noch sehr eingeschränkt arbeitsfähig. Die Folgen einer Gasvergiftung im ersten Weltkrieg, die traumatischen Erlebnisse während der NS-Zeit und die fast zweijährige Haft in Theresienstadt hatten seine Gesundheit vollständig zerrüttet. Sein Tod 1952 kann in einem ursächlichen Zusammenhang mit der KZ-Haft gesehen werden.