Elias, Dr. Otto
Aus ErPort
RA Dr. Otto Elias
Stolpersteinstandort: Do-West, Hansa Str. 50
Der Rechtsanwalt Dr. jur. Otto Elias wurde am 12. März 1876 in Dortmund
als Sohn des Kaufmanns Adolph Elias und seiner Ehefrau Julie, geb. Schwarz in Dortmund (Münsterstr.) geboren.
Er gehörte der jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Über die Stationen seiner Schulausbildung, seines Studiums und seines Referendariats ist hier nichts bekannt.
Mitte November 1906 zog er von Düsseldorf kommend nach Dortmund zu, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. Aus den Hausstandsbücher lassen sich folgende Wohnungen ermitteln.
Weißenburger Str. 2 15.11.1906 – 17.8.1909
Schwanenwall 44 17.8.1909 – 14.11.1913
Prinz-Friedrich-Karl-Str. 28 14.11.1913 – 17.5.1927
Prinz-Friedrich-Karl-Str. 15 17.5.1927 – bis zum Tode
War er bei seinem Zuzug 1906 noch ledig, so erfolgte der Eintrag in das Hausstandsbuch des Schwanenwalls mit der – wohl kurz zuvor geehelichten - Emma, geb. Elias, * 6.9.1890 in Geldern. Die Ehefrau zog von Hannover kommend zum Schwanenwall. Am 19.4.1910 wurde die Tochter Käthe geboren. Sie blieb das einzige Kind.
Dr. Elias trat wohl umgehend in eine Kanzleigemeinschaft mit seinem Kollegen und Schwager Dr. Max Frank (I) ein.
Seit dem Adressbuch 1907 waren die Büroanschriften der beiden identisch. Sie residierten erst am Ostenhellweg 35, seit 1909 am Ostenhellweg 50. Später - zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt – bezogen sie Räumlichkeiten in der Hansastr. 50.
Leider erfuhr die Herausgabe der Dortmunder Adressbücher zwischen 1915 bis 1921 Unterbrechungen, so dass eine genaue Datierung der Verlegung des Büros nicht möglich ist.
Im Jahre 1915 ist noch die Anschrift Ostenhellweg 50 verzeichnet, 1921 erscheint die Anschrift Hansastr. 50. Im Adressbuch 1926 erscheint dort die Angabe „Kanzlei Frank I, Elias und Gierlich“.
Nach dem Tod der Rechtsanwälte Frank I und Elias führte ihr Kompagnon die Kanzlei an diesem Ort weiter. Im letzten während des Weltkrieges erschienenen Ausgabe des Adressbuches von 1941 ist er dort noch vertreten.
Die Verfolgungsvorgänge, denen Dr. Elias schließlich zum Opfer fiel, sind im Buch „Das Schicksal der Jüdischen Rechtsanwälte und Notare während der Zeit des Nationalsozialismus“ hrsgg. vom Anwalt- und Notarverein e.V. Dortmund, bereits so ausführlich dargelegt worden, dass hier bis auf wenige ergänzende Hinweise, dies nicht mehr besonders ausgeführt werden muss.
Der Wiedergutmachungsantrag (Zentralkartei-Nr. 52 276) wurde von einer Kathy Wardrope, damals Paderborn, gestellt. Es dürfte sich dabei um die Tochter Käthe von Dr. Otto Elias gehandelt haben.
Schäden an „Körper oder Gesundheit“, „an Freiheit“ und „im berufl. Fortkommen“ wurden abgelehnt, während der „Schaden an Leben“ anerkannt wurde.
Nach Auskunft des Landesarchivs Münster aus der Akte wurde er „am 10.4.1933 wegen Steuerhinterziehung verhaftet und in das Polizeigefängnis Dortmund eingewiesen. Am gleichen Tag wurde er in die Untersuchungshaftanstalt Dortmund überstellt, wo er am 13.4.1933 durch Selbstmord verstarb.“
Da damals die Todesursache nicht vermerkt wurde, gibt die Todesurkunde darüber keine Auskunft. Der Tod wurde damals dem Standesamt durch die Polizeibehörde angezeigt. Als Todesort ist dort die Anschrift des Gerichtsgefängnisses angegeben.
Auch wenn die Inhaftierung mit einer strafrechtlichen Begründung erfolgte, so kann in Kenntnis der damaligen Situation und der Taktik der Nationalsozialisten davon ausgegangen werden, das diese Gründe nur vorgeschoben waren. Es handelt sich eindeutig um eine nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahme. Weiterhin wird allgemein als Todesursache Selbstmord durch Vergiftung angegeben. Die Todesumstände müssen aber als dubios angesehen werden. Gegen den Selbstmord spricht auch die offene Frage, wie Dr. Elias Gift in seine Zelle geschmuggelt haben soll.
Der Tod von Dr. Elias ist auf nationalsozialistische Zwangsmaßnahmen zurückzuführen. Er ist ein frühes Opfer der Shoah.