Schiffmann, Eva /Mirl Glawa
Aus ErPort
Eva Schiffmann
Stolpersteinstandort: Do-Nord, Lambachstr. 7
Familie Schiffmann bestand aus den Familienmitglieder:
Markus Schiffmann, *21.Juli 1885 Rozwadow Krs. Rzessow in Galizien
Mirl Glawa genannt Eva Schiffmann, geb. Rand, *15. März 1896 in Turka Krs. Sambor Galizien
Erwin Schiffmann, *19. April 1920 in (Duisburg-)Hamborn
Grete Schiffmann, *7. März 1922 in Dortmund
Samuel Salo Schiffmann, *27. Februar 1924 in Dortmund
Wann Markus Schiffmann zum erstenmal nach Dortmund kam, konnte bisher nicht festgestellt werden. Der erste derzeit bekannte schriftliche Hinweis stammt aus dem Hausstandsbuch Leopoldstr. 30. Demnach zog am 21. November 1918 der verwitwete Kaufmann Markus Schiffmann vom Militär kommend in das dortige Haus ein. Als Staatsangehörigkeit wird dort noch Österreich angegeben.
Am 5. Juli 1919 zog er zur Lambachstr. 7. Gleichzeitig zog dort aus (Duisburg-)Hamborn kommend eine Eva Rand ein, die er am 17.5.1920 ehelichte. Diese Wohnung sollte für fast 20 Jahre der Familienwohnsitz sein.
Markus Schiffmann kam als Mordechai (Mordekhai) Shifman im damals österreichisch-ungarischen Galizien zur Welt. Er war Sohn des Klempners Isaak Shifman und seiner Ehefrau Brunhilde geborene Garfunkel. Über seine erste Ehe ist nichts bekannt. Ab wann er sich Markus Schiffmann nannte, ist auch unbekannt. Da die galizischen Juden im deutschen Reich ein recht entspanntes Verhältnis zum deutschen Namens- und Personenstandsrecht pflegten, dürfte dieser Umbenennung auch eher schleichend und nicht amtlich offiziell erfolgt sein.
Bei seinem ersten amtlich erfassten Aufenthalt in Dortmund wurde er bereits als Markus Schiffmann in das Hausstandsbuch des Hauses Leopoldstr. 30 eingetragen. Er kam damals vom Militär und dürfte während des ersten Weltkriegs somit Soldat der österreichisch-ungarischen Armee gewesen sein. Ob er vorher schon einmal in Dortmund gelebt hatte, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
Es gab aber wohl verwandtschaftliche Beziehungen nach Dortmund, denn im Jahre 1912 war ein Zelmann Schiffmann, *3.5.1892 in Rozwadow, in der Östermärschstr. 54 gemeldet. Alle späteren amtlichen deutschen Urkunden, die Eheurkunde und die Geburtsurkunden der Kinder, lauten auf den Namen Schiffmann. In der Central Database von Yad Vashem sind fünf Datensätze von Markus Schiffmann zu finden, wobei vier auf den Namen Markus Schiffmann und einer auf Marcus Shifman lautet. Drei Datensätze stammen von seinem Sohn Samuel Salo, der in Israel den Vornamen Shlomo führte. Der Sohn kehrte auch für sich selbst zur Schreibweise Shifman zurück. Markus Schiffmann wird in den Hausstandsbüchern als Kaufmann bezeichnet.
In seiner Eheurkunde und der Geburtsurkunde des Sohnes Erwin wird er als Handlungsgehilfe bezeichnet. In der Geburtsurkunde der Tochter Grete erscheint als Berufsbezeichnung Händler, in der des Sohnes Samuel Salo Lagerarbeiter. In zwei Datensätze in Yad Vashem bezeichnet ihn der Sohn als Lagerverwalter.
Mirl Chana, auch Eva – manchmal auch mit der Schreibweise Ewa – Schiffmann genannt, wurde am 15. März 1896 in der galizischen Kleinstadt Turka Krs. Sambor am Nordrand der Karpaten geboren. Sie lebte in (Duisburg-)Hamborn und als Beruf wird in der Eheurkunde Verkäuferin angegeben. Auf der kurz zuvor ausgestellten Geburtsurkunde des Sohnes Erwin wird sie als Haushälterin bezeichnet. Der Sohn Erwin kam nach amtlichen deutschen Vorstellungen vorehelich zur Welt. Ein guter Teil der galizischen Juden heiratete nur nach religiösen Ritus und hielt die standesamtliche Trauung für überflüssig. Wie aus dem Hausstandsbuch Lambachstr. 7 hervorgeht, bestand die eheliche Wohngemeinschaft des Paares bereits seit dem 5. Juli 1919.
Der Sohn Erwin kam – wie angeführt - nach deutschen Amtsvorstellungen vorehelich wohl während eines Besuchs der Mutter an ihrem vorhergehenden Wohnsitz in Hamborn zur Welt und wurde als Erwin Rand beurkundet. In der Eheurkunde wurde er von den Eltern „als von ihnen gemeinsam erzeugt anerkannt“ und erhielt damit den Status eines ehelichen Kindes. Dieser Tatbestand wurde auch durch einen Nebeneintrag auf der Geburtsurkunde dokumentiert.
Erwin Schiffmann verließ am 30. April 1937 das Elternhaus. Bei dem Zielort handelte es sich wohl um Glissen in der Lausitz. Ein weiterer Wegzug am 1.2.1938 ist wohl auch ihm zuzuordnen. Sein weiteres Schicksal wird von der Sponsorin in dem Aufsatz „Niemandsland“, in Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 2000, Bd. 91, kurz skizziert. Es gelang ihm im Oktober 1939 nach Dänemark zu emigrieren, von wo er 1943 mit Hilfe der dänischen Bevölkerung nach Schweden entkam.
Grete Schiffmann teilte das Schicksal ihrer Eltern. Anhand ihrer Schreiben an den Bruder Salo lässt sich das Schicksal der Schiffmanns rekonstruieren.
Samuel Salomon Schiffmann teilte das Schicksal der Familie bis zum März 1939, dann kam er in ein zionistisches Pionierlager bei Bialystok. Nach einer Irrfahrt quer durch Osteuropa gelangte er mit der Gruppe im Februar 1941 nach Palästina. Er lebte dort mit seiner Familie in einem Kibbuz, wo er nach Angaben der Sponsorin erst kürzlich verstarb.
Die Familie Schiffmann hatte infolge des I. Weltkriegs die polnische Staatsangehörigkeit erhalten. Die in Dortmund verbliebenen Mitglieder der Familie wurden am 28. Oktober 1938 im Rahmen der „Polenaktion“ in Richtung Polen deportiert. Die kleine polnische Grenzstadt Zbaszyn wurde in ein provisorisches Auffanglager umgestaltet und dann die Deportierten peu a peu nach Innerpolen weitergeleitet. Einer Anzahl gelang es noch, Einreisevisa zur erhalten und auszuwandern.
Die Schiffmanns, Markus, Eva und Grete, gehörten nicht zu den Glücklichen, sondern verblieben relativ lange in Zbaszyn.
Nach dem deutschen Angriff auf Polen, kamen sie für einige Zeit in Turka bei Verwandten unter, später verschlug es sie in das Ghetto von Sambor. Dort verliert sich ihre Spur. Ob sie Opfer einer der Erschießungen durch die Einsatzkommandos oder im Vernichtungslager Belzec ermordet wurden, bleibt offen.
Sie wurden durch das Amtsgericht Dortmund im September 1956 amtlich mit Wirkung 31. Dezember 1945 für tot erklärt.
Markus, Eva und Grete Schiffmann können unzweifelhaft als Opfer der Shoah angesehen werden.