Fillo, Josef
Aus ErPort
Josef Fillo
Stolpersteinstandort: Do-Nord, Steinwache, Steinstr. 50
Josef Fillo wurde am 11. Juni 1879 als Sohn des Lehrers Adam Fillo und seiner Frau Berta, geb. Schreiber , in Bodenheim geboren.
Wann er nach Dortmund kam, konnte bisher nicht ermittelt werden, doch ist er seit 1904 in den Hausstandsbüchern nachweisbar. Bisher konnten folgende Anschriften von ihm ermittelt werden:
Kampstr. 106 / ? – 12.12.1904
Westenhellweg 28/ 12.12.1904 – 12.11.1908
Kronenstr. 13 ½ / 17.11.1908 – 30.3.1911
Betenstr. 40/ 20.3.1911 – 1.12.1916
Balkenstr. 29/ 1.12.1916 5.2.1923
Stiftstr. 15 5.2.1923 – bis zum Tode
Am Westenhellweg wohnte er allein. In der Kronenstr., Betenstr., und Balkenstr. wohnte er zeitweilig – die Zu- und Wegzugsdaten differieren teilweise – mit seiner Mutter und der ledigen Fanny Fillo, seine ältere Schwester, zusammen.
Die Mutter starb im Mai 1917. Fanny Fillo heiratete im Januar 1918 den katholischen Reisenden und Armierungssoldaten Karl Paul Emil Finger und zog im Oktober des Jahres nach Bochum. Nach der Yad Vashem Database ist sie am 2.1.1943 in der Shoah umgekommen. Sie wurde am 18.8.1952 durch das Amtsgericht Bochum mit Wirkung 31.12.1945 für tot erklärt.
Im Jahre 1910 wurde Josef Fillo in Hamm und im Jahre 1915 in Dortmund zu Geldstrafen verurteilt.
Aus einer Notiz „13.11.18 v. Heer zurückgem(eldet)“ im Hausstandsbuch Balkenstr. 29 geht hervor, dass er während des
I. Weltkriegs Militärdienst leistete.
Josef Fillo heiratet – das Datum der Eheschließung konnte bisher nicht ermittelt werden - die Antonie Pauline Rosalie geb. Tretzak , verwitwete Hörster.
Am 5.2.1923 zog er zusammen mit seiner Frau von der Balkenstraße in die damals noch selbständige Stadt Hörde (1928/29 nach Dortmund eingemeindet) in das Haus Stiftstr. 15. Dieses Haus hat er auch zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt erworben und war bis mindestens 1938 in seinem Besitz . Das Haus Stiftstr. 15 war aber bis zu seinem Tode seine offizielle Meldeanschrift.
Im Hausstandsbuch Stiftstr. 15 sind keine gemeinsamen, aber auch keine Kinder der einzelnen Ehepartner verzeichnet. Auf einem in der Nachkriegszeit gestellten Wiedergutmachungsantrag für Josef Fillo firmiert ein Günther Finger aus Bochum als Antragsteller und Erbe.
Unter der Anschrift Stiftstr. 15 betrieb er bis zur Einstellung 1938 von Amts wegen eine Möbelagentur bzw. ein Bettengeschäft. In den Unterlagen fanden sich die Berufsbezeichnungen "Kaufmann" und "Betten- und Möbelhändler".
Bei der Volkszählung von 1939 wurde Josef Fillo "rassisch" als "Halbjude" eingeordnet. Da er lt. Mitgliederliste der Synagogengemeinde von 1941 als Bekenntnisjude Mitglied der Gemeinde war, dürfte er damals den rechtlichen Status eines "Geltungsjuden" gehabt haben. Das bedeutet, dass er "Sternträger" war.
Die Ehefrau Antonie ist am 21.3.1943 verstorben. Damit war für ihn auch der Schutz der "bevorrechtigten Ehe" erloschen. Josef Fillo wurde am 6.4.43 festgenommen und im Polizeigefängnis "Steinwache inhaftiert. Lt. Staatsarchiv lauten die Eintragungen wie folgt:
Polizeipräsidien 1434: Seite 153 Fillo, Josef Israel, inhaftiert am 6.4.1943, Gefangenenbuchnummer 1649 Polizeipräsidien 1453, unter lfd. Nr. 1649: Josef Israel Fillo, geboren am 11.6.1879 in Bodenheim, Jude, verwitwet, inhaftiert politisch, eingeliefert am 6.4.1943, Haftende am 24.4.1943 um 2 Uhr, in Zelle 27 an Herzschlag verstorben, Asservate: 339,50 RM, eine Taschenuhr mit Kette, 3 Ringe, 1 Kette. Im Feld Bemerkungen: 27 RM für Unterkunft, 17 RM für ärztliche Untersuchung.
In der Nachkriegszeit kam es zu einem Ermittlungsverfahren über dessen Inhalt und Ziel hier aber nichts bekannt ist.
Auffallend ist es, dass seine Festnahme so kurz nach dem Tod der Ehefrau erfolgte. Der Tod wurde laut Todesurkunde vom Polizei-Hauptwachtmeister Wilhelm Elert gemeldet. PHW Elert war als Schutzpolizeibeamter einer der Wachbeamten des Gefängnisses. Laut dem Zeitzeugen Kurt Piehl hatten ihm Häftlinge den Spitznamen "Iwan der Schreckliche" gegeben.
Weiterhin ist bekannt, dass in Dortmund im April 1943 Juden festgenommen wurden, die sich bisher der Deportation entziehen konnten. Sie wurden im Mitte Mai 1943 nach Auschwitz verbracht. Da die Schutzfunktion der „bevorrechtigten Ehe“ nun weggefallen war, ist es wahrscheinlich, dass seine „politische“ Festnahme „rassepolitisch“ begründet war.
Auch wenn bei dem Alter ein Herzschlag als natürliche Todesursache angesehen werden kann, können doch die Umstände des Todes als dubios angesehen werden.
Sein Tod trat während und in Folge einer nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahme ein.