Poppert, Gertrud
Aus ErPort
Gertrud Poppert
Stolpersteinstandort: Do-West, Hohe Str. 61 1/2
Gertrud Poppert wurde als zweite und letzte Tochter des Ehepaares Schönborn am 29. Juni 1914 in Dortmund geboren.
Die Familie Schönborn bestand aus:
Anton Schönborn, Kaufmann, * 9.2.1875 in Köln
Selma Schönborn, geb. Rosenbaum, *23.12.1882 in Warburg
Mathilde Hilde Schönborn, Kontoristin, *19.5.1910 in Dortmund
Gertrud Schönborn, Kontoristin, * 29.6.1914 in Dortmund
Anton Schönborn siedelte sich im Dezember 1901 von Frankfurt/M. kommend in Dortmund an. Anfangs wird er mit der Berufsbezeichnung Maler geführt, doch schon bald wird er als Reisender bzw. Kaufmann bezeichnet. Sein anfänglicher Aufenthalt als lediger Mann war durch laufende Wohnungswechsel innerhalb Dortmunds gekennzeichnet.
Die Adressbücher verzeichnen folgende Anschriften:
Wilhelmstr. 11 (4.12.1901-4.7.1903),
Sedanstr. 11 (1904),
Weisbachstr. 10 (1905),
Hohe Str. 62 (1906),
Westenhellweg 132 (1907/08),
Kampstr. 118 (Sommer 1908),
Brückstr. 28 (bis 5.6.1909).
Am 12.5.1909 heiratete er in Warburg seine Frau. Dabei handelte es sich um eine für die damalige Zeit verpönte „Mischehe“. Er war katholisch, während seine Frau zur jüdischen Religionsgemeinschaft zählte. Das Ehepaar bezog am 5.6.1909 die erste gemeinsame Wohnung in der Staufenstr. 5.
Am 19.5.1910 kam dort die erste Tochter Mathilde Hilde zur Welt.
Am 11.1.1911 bezog die Familie eine Wohnung in der Hohe Str. 56, wechselt aber am 9.8.1912 zur Hövelstr. 12 . Dort kam dann die Tochter Gertrud zur Welt.
Die Kinder wurden durch die Mutter der jüdischen Religionsgemeinschaft zugeführt.
Kurz nach dem Einzug der Familie zog dort auch ein Kaufmann Siegmund Wolfenstein ein. Mit diesem betrieb Anton Schönborn wohl eine gemeinsame Firma.
Gemeinsam wechselten die beiden Kompagnons zur Rheinischen Str. In den Adressbüchern von 1921, 1924 und 1926 wird Anton Schönborn als Besitzers eines Vertriebs von Reklameartikeln, Papier und Kurzwaren unter der Anschrift Rheinische Str. 33 geführt.
Die Rheinische Str. 33 war wohl für lange Zeit nicht nur Firmensitz, sondern auch Wohnort der Familie. Tochter Hilde dürfte wohl die meiste Zeit ebenfalls im Elternhaus gelebt haben. Anfang Februar 1932 verließ sie das Elternhaus und zog in die Wittelsbacher Str. 28, kehrte aber schon nach drei Monaten in die elterliche Wohnung zurück. Gemeinsam mit Eltern und Schwester bezog sie am 14.10.1932 eine Wohnung in der Hohe Str. 61 ½.
Die Wohnung Hohe Str. 61 ½ war der letzte gemeinsame Wohnsitz der Familie Schönborn. Im November verließ Tochter Hilde erneut die elterliche Wohnung und zog nach Hannover, kehrte aber zu einem unbekannten Zeitpunkt wieder zurück.
Tochter Gertrud wurde am 1. Januar 1939 abgemeldet. Als neuer Wohnort wurde „Amsterdam i. Holland abgegeben. Die offizielle Abmeldung kann aber nicht mit dem eigentlichen Wegzug übereinstimmen. Sie muss Dortmund bereits einige Zeit vorher verlassen haben, da sie am 22. Dezember 1938 in Amsterdam heiratete.
Im Sobibor-Buch von Jules Schelvis wird ihre Emigration wie folgt begründet: „Vor Ausbruch des Krieges flüchtete sie zusammen mit ihrem Mann und ihrer Mutter in die Niederlande, nachdem ihr Vater einen Bombenanschlag verübt hatte.“ Diese Angaben sind nach bisherigen Erkenntnissen unzutreffend. Ob sie zusammen mit ihrem späteren Ehemann flüchtete, ist unbekannt. Ihre Mutter verblieb auf jeden Fall weiterhin in Dortmund und aus den vorhandenen Unterlagen lässt sich auch kein erhöhter Verfolgungsdruck für ihren Vater bzw. die anderen Familienangehörigen herauslesen. Vielmehr scheint der Vater einiges unternommen und auf sich genommen zu haben, um die Familie aus dem Blickfeld der Verfolger herauszuhalten. So wies er sich bei der Eheschließung seiner Tochter Mathilde Hilde mit einem Amtswalterausweis aus, was den Schluss zulässt, dass er in einer Nebenorganisation der NS-Partei eine Funktion übernommen hat.
Anton Schönborn hatte bis zuletzt durch die Aufrechterhaltung der Ehe, die als „bevorrechtigte Ehe“ galt, seiner Frau weitgehenden Schutz vor Verfolgung geboten. Als in der zweiten Hälfte 1944 auch diese Schutzfunktionen wegfielen, musste er noch erleben, wie seine Frau deportiert wurde.
Er erlag am 17. Dezember 1944 in Krankenhaus am Westfalendamm einer Herzerkrankung. Als letzter Wohnsitz wird die Otto-Schramme-Str. 1 angegeben.
Die Hohe Str. war 1933 in Str. der SA umbenannt worden. Nach dem Kriegstod des zeitweiligen NS-Polizeipräsidenten Otto Schramme wurde ein Abschnitt zur Otto-Schramme-Str. Es darf davon ausgegangen werden, dass das Haus Otto-Schramme-Str. 1 mit dem Haus Hohe Str. 61 ½ identisch war.
Die große Mehrheit der noch in Dortmund verbliebenen Juden in „bevorrechtigter Ehe“ und ihre „halbjüdischen“ Nachkommen, wurden Ende September/Anfang Oktober 1944 zur Arbeit zwangesverpflichtet und zwangsdeportiert.
Selma Schönborn wurde wohl aus Altersgründen als nicht mehr arbeitsfähig angesehen. Sie wurde am 1. Oktober 1944 nach “Berlin-Nord, Iranische Str. 65“ deportiert. Dort befand sich das von den Nazis zu einem Sammellager umfunktioniertes Jüdisches Krankenhaus
[1]
Zu den befreiten Internierten dürfte auch Selma Schönborn gehört haben. Sie meldete sich am 8. August 1945 in Dortmund zurück. Als vorhergehender Wohnsitz wurde „Berlin, Internierungslager“ eingetragen. Sie kam in der Overgünne 97 unter, wo damals ihre Tochter Hilde mit ihrem Ehemann und weiteren Angehörigen des Ehemannes wohnten.
Am längsten verblieben Tochter Hilde und ihr nach der Eheschließung zugezogene Ehemann in der Wohnung Hohe Str. 61 ½. Mathilde Hilde Schönborn heiratete am 10. Februar 1940 den Leuchtstofftechniker Erich Salomon Fränkel, *3.2.1913 in Dortmund. Beide Eheleute werden in der Urkunde als Mischlinge 1. Grades („Halbjuden“) ausgewiesen. Dass sie in der Folge anfangs nicht von der vollen Wucht der Verfolgungsmaßnahmen getroffen wurden, ist wohl damit zu erklären, dass sie die religiösen Bindungen zum Judentum aufgegeben hatten.
Hilde Schönborn muss zwischen 1934 und der Eheschließung offiziell aus der Glaubensgemeinschaft ausgetreten sein. Bei dem Einzug 1932 wurde in das Hausstandsbuch bei ihr unter Konfession noch „jüd(isch)“ eingetragen. In den bei Knipping ausgedruckten Listen der aus der Religionsgemeinschaft und der Synagogengemeinde Dortmund Ausgetretenen , die bis 1933 reichen, ist sie nicht verzeichnet. In der Eheurkunde wird sie als „gottgläubig“ bezeichnet.
Der Vater von Erich Salomon Fränkel, der Kaufmann Harry Fränkel sen. hatte anfangs wohl der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört, seine Mutter Wilhelmine Augustine, geb. Kirschstein, *24. Juni 1876 in Dortmund, entstammte ursprünglich einem evangelischen Elternhaus. Beide waren zur neuapostolischen Kirche konvertiert. Dabei war wohl der Ehemann die treibende Kraft. Als er 1907 in das Haus Mallinckrodtstr. 48 einzog, war er, lt. Hausstandsbuch, bereits neuapostolisch. Bei der Ehefrau taucht die Konfessionsbezeichnung erstmalig mit dem Bezug der ehelichen Wohnung auf. Harry Fränkel und seine Frau heirateten am 6.3.1909. Die Ehefrau war sechs Jahre älter, bereits einmal verwitwet und brachte einen Sohn namens Gottfried in die Ehe. Die drei Söhne Harry, Erich und Herbert, die aus dieser Ehe hervorgingen, waren ebenfalls neuapostolisch.
Harry Fränkel sen. kam am 27. Mai 1882 in Grasberg als Sohn jüdischer Eltern zur Welt. In seiner Geburtsurkunde wurde als Vorname „Herry“ eingetragen. Er war während des I.Weltkriegs beim Militär, von dem er am 25.11.1918 zurückkehrte. Er starb am 5.11.1942 in Auschwitz
Wilhelmine, die Ehefrau von Harry Fränkel sen., starb am 14. Juni 1964 in Menden.
Erich Salomon Fränkel wurde am 16.4.1944 festgenommen und kam in verschiedene Zwangsarbeitslager. Er wurde nach Paris, Lüttich und Wuppertal-Wichlinghausen verbracht. Am Jahrestag seiner Festnahme wurde er befreit und kehrte nach Dortmund zurück.
Mathilde Hilde Fränkel flüchtete Anfang Februar 1945 aus der Wohnung Hohe Str. 61 ½ und hielt sich bis Ende März in Oeynhausen verborgen. Dann kehrte sie ebenfalls nach Dortmund zurück.
Seit dem 25. Mai 1945 war das Ehepaar in der Overgünne 97 gemeldet, ebenso die Brüder Harry und Herbert Fränkel, die sich aber nach einiger Zeit eigenen Unterkünfte besorgten. Am 8. 8.1945 zog dafür aus Berlin kommend die Mutter bzw. Schwiegermutter ein.
Am 12.3.1952 wurde bei den Fränkels jeweils „Unbekannt verzogen“ eingetragen; hinzugefügt wurde „angebl. Amerika“. Die Angabe fand ihre Bestätigung in den Wiedergutmachungsakten. Lt. Auskunft des Landesarchivs Münster wanderte das Ehepaar 1951 in die Vereinigten Staaten aus, kehrte aber 1958 nach Dortmund zurück.
Selma Schönborn war bereits am 30.8.1951 in der Overgünne amtlich zur Abmeldung gekom-men. Wo sie sich in der Folge aufhielt, blieb bisher unklar. In den Dortmunder Adressbüchern wird sie noch bis 1953/54 fälschlich unter Overgünne geführt. Danach fehlen die Angaben einige Jahre ganz. 1958 wird sie in der Hollestr. 33 angegeben, erscheint aber nur im alphabetischen Register, nicht im Straßenverzeichnis.
Diese Anschrift gibt auch Erich Fränkel an, als er seine Wiedergutmachungsantrag stellt. Nach einer Unterbrechung erscheint Selma Schönborn 1961 unter der Anschrift am Knappenberg 103, dann von 1962 bis 1967 unter Alter Mühlenweg 28. Beide Anschriften erscheinen auch auf der Wiedergutmachungskarteikarte der Tochter. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass Mutter, Tochter und Schwiegersohn wieder zusammenwohnten. Selma Schönborn ist am 20. Dezember 1966 in ihrer Wohnung am Alten Mühlenweg 28 verstorben.
Das Ehepaar Fränkel verließen einige Jahre nach dem Tod der Selma Schönborn den Alten Mühlenweg 28 und verzogen zum Hl. Weg 39.
Mathilde Hilde Fränkel, geb. Schönborn, verstarb am 20. August 2002 im Knappschaftskrankenhaus in Brackel.
Erich Salomon Fränkel verstarb am 27. Juni 1996 in Dortmund-Aplerbeck.
Das Schicksal der Gertrud Poppert-Schönborn ist spätestens seit 1938 und ihrer Eheschließung mit den Schicksal der Familie des Siegmund Poppert verbunden.
Siegmund Poppert wurde am 5. Dezember 1879 in Terborg geboren. Er war niederländischer Staatsbürger. Erstmalig konnte er in Dortmund mit der Berufsbezeichnung „Reisender, Lagerist“ am Schwanenwall 15 1905 ermittelt werden. Dann meldete er sich auf „Reisen“ ab.
Er kam später erneut nach Dortmund und wohnte dort in der Hohensyburgstr. 23 , dann für drei Monate in der Hubertgasse 7 (3.10.1910-31.12.1910).
Am 23. Dezember 1910 heiratete er seine erste Frau Selma, geb. Rauner, * 5. Juli 1883 in Rheinböllen. Das Ehepaar bezog eine gemeinsame Wohnung in der Hansastr. 82.
Am 4. Januar 1912 bezog die Familie eine Wohnung in der Hagenstr. 34. Dieser Wohnsitz sollte später als Meißener Str. 12 von Siegmund Poppert bis zur Emigration beibehalten werden.
Siegmund und Selma Poppert bekannten sich zum jüdischen Glauben. Am 20. April 1912 wurde der erste Sohn Erich Karl geboren. Am 26. März 1914 kam der spätere Ehemann Gertruds Walter Michel zur Welt. Während des I. Weltkriegs hielten sich Mutter und Söhne zeitweilig in den Niederlanden auf. Auch später meldeten sich Familienangehörige immer wieder für gewisse Zeit in die Niederlande ab. Dafür wohnten Verwandte der Ehefrau immer wieder für einige Zeit im Haushalt der Popperts, insbesondere die Verkäuferin Olga Rauner, *23. Mai 1888 in Hargesheim, eine Schwester von Selma Poppert.
Selma Poppert verstarb am 6. April 1924 im Alter von vierzig Jahren. Daraufhin heiratet Siegmund Poppert am 24. Juli 1925 seine bisherige Schwägerin Olga. Aus dieser Ehe ging eine Tochter, *27. März 1927, namens Ilse Selma Martha hervor.
Erich Poppert verließ im Mai 1927 das Elternhaus in Richtung Frankfurt und kehrte erst im Januar 1931 zurück. Dann ging er 1933 nach Amsterdam.
Im „Digital Monument“ ist er als Opfer der Shoah verzeichnet. Sein Tod wird dort mit dem 1. Mai 1943 in Sobibor angegeben. Nach Auskunft der Gedenkstätte Westerbork ist diese Datenangabe unzutreffend. Erich Poppert lebte ab November 1933 in Zaandam. Dort schloß er wohl am 2. August 1934 die Ehe mit Herta Speier, *11.11.1913 in Fritzlar. Im Januar 1942 zog die Familie nach Amsterdam, Haringvlietstr. 41.
Erich Poppert wurde am 6.5.1943 als Strafgefangener nach Westerbork geschickt und fünf Tage später nach Sobibor deportiert. Dort wurde er wohl nicht sofort vernichtet, denn im September 1943 kam noch ein Brief von ihm. Seitdem ist kein weiteres Lebenszeichen bekannt. Es liegt durchaus im Rahmen des Möglichen, dass auch er am Tage des Aufstandes in Sobibor umkam. Frau und Tochter haben überlebt. Ehefrau Herta war lange Zeit in Vught und kam im Juni 1944 nach KZ_Theresienstadt.
Gegen Kriegsende wurde sie nach Schweden evakuiert und kehrte im September 1945 in die Niederlande zurück.
Am 28. September 1934 zog der Vater von Siegmund Daniel Poppert, * 6. Februar 1846 in Terborg, zu. Er verstarb hier in Dortmund am 1. März 1936.
Walter Poppert meldete sich 1934 nach Amsterdam ab, nach weiteren vierzehn Tagen in Dortmund verzog er am 29. Januar 1934 nach Ede. Anfang Februar 1935 kehrte ins Elternhaus zurück. Am 13. August 1938 verließ er endgültig Deutschland.
Der Rest der Familie, Siegmund, Olga und Tochter Ilse folgten am 22. September 1938 und zogen nach Amsterdam. Lt. „Digital Monument“ waren sie 1941 gemeinsam unter einer Amsterdamer Anschrift gemeldet. Sie wurden am 21. November 1942 nach Westerbork verbracht, am 1. Dezember 1942 nach Auschwitz
deportiert und dort 1942 ermordet.
Walter Poppert muss seine spätere Ehefrau in Dortmund kennengelernt haben. Beide heirateten 1938 in Amsterdam. Bis 1940 wohnte er in der väterlichen Wohnung, danach in der Utrechtedwarsstr. 113 I in Amsterdam.
Am 30. April 1943 wurden sie nach Westerbork eingeliefert und von dort am 18. Mai 1943 nach Sobibor deportiert. Sie wurden nicht wie die meisten sofort vernichtet, sondern dem kleinen jüdischen Häftlingsstamm zugeordnet. Die Häftlinge durften und wurden sogar dazu angehalten, Postkarten an Angehörige zu versenden. Mit diesen Nachrichten sollten die zurückgebliebenen Angehörigen und die jüdischen Einrichtungen über den wahren Charakter des Vernichtungslagers getäuscht werden.
Lt. Schelvis hat das Ehepaar mindestens sechs postalische Nachrichten auf den Weg gebracht.
Aus zwei Postkarten, die lt. Schelvis 1966 dem Gericht in Dortmund von einer unbekannten Frau übergeben wurden , zitiert er ausführlich.
Walter Poppert war zumindest zeitweilig Kapo des sogenannten Waldkommados, das Holz zum Verbrennen der Leichen schlug. Gertrud versorgte in Sobibor die Kaninchenställe.
Gertrud Poppert ist als Luka in der Literatur über das Lager und den Aufstand in Sobibor bekannt geworden, insbesondere durch die Berichte des führenden Kopfes des Aufstandes Alexander Petsjerski.
Der Häftling Alexander Petsjerski, * 22. Februar 1909 war als Leutnant der Roten Armee im Oktober 1941 in Kriegsgefangenschaft geraten, hatte einen Fluchtversuch unternommen, war nach seiner erneuten Festnahme als Jude erkannt worden und kam am 22. September 1943 nach Sobibor. Dort organisierte er mit anderen Häftlingen den Aufstand am 14. Oktober 1943.
Die Besprechungen der Verschworenen fanden teilweise in der Frauenbaracke bzw. an unauffälligen Orten statt. Um diese Besprechungen zu tarnen, erweckte Petsjerski den Anschein einer Beziehung zu einer Frau, die er Luka nannte. Gertrud Poppert war, soweit ersichtlich, in die konkreten Aufstandspläne nicht eingeweiht. Petsjerski hatte ihr nach späteren Angaben nichts mitgeteilt. Auch gab es zwischen den deutschen und niederländischen sowie den polnischen und sowjetischen Häftlingen erhebliche Kommunikationsprobleme. Sie dürfte das, was in ihrer Anwesenheit erörtert wurde, nicht verstanden haben. Dass sie und ihr Mann den Aufstand nicht überlebten, lässt ebenfalls den Schluss zu, dass ihr die konkreten Planungen nicht bekannt waren. Immerhin dürfte sie einiges geahnt haben. So übergab sie Petsjerski am Vortag des Aufstandes ein in Handarbeit gefertigtes Hemd, das sie als Glücksbringer bezeichnete. Dieses Hemd trug er am Tage des Aufstandes und hat es bis zum Lebensende aufbewahrt. Er starb im Januar 1990 in Rostow.
Nach Auskunft der Gedenkstätte Westerbork aufgrund von Unterlagen des Archivs des Roten Kreuzes und der Datei des Jüdischen Rates kann aber inzwischen davon ausgegangen werden, dass Gertrud und Walter Poppert 1943 während des Aufstandes getötet wurden, entweder beim Ausbruch oder am Abend, als die SS die verbliebenen Lagerinsassen liquidierte. Lt. der Zeugin Selma Engel-Wijnberg wurde Walter Poppert am Abend des 14. Oktober 1943 erschossen.
Gertrud Poppert-Schönborn ist eindeutig als Opfer der Shoah anzusehen.