Goldschmidt, Emilie
Aus ErPort
Emilie Goldschmidt
Stolpersteinstandort: Do-West, Saarlandstr. 122
Die Familie Goldschmidt bestand ursprünglich aus fünf Personen und stammte aus Neustadt-Gödens bei Sande in Ostfriesland:
Die Eltern:
Heimann Goldschmidt, Buchhalter, *22.8.1858 in Neustadt-Gödens, + 8.6.1919 in Dortmund
Henriette Goldschmidt, geb. Scheper, *10.2.1855 in Bleicherode, + 16.2.1925 in Dortmund
Die Töchter:
Emilie Goldschmidt, Abt.-Leiterin, *21.6.1888 in Neustadt-Gödens
Hetta/Netta (?) Goldschmidt, * 24.1.1890 in Neustadt-Gödens, soll am 13.3.1917 verstorben
sein (Eintrag im Hausstandsbuch Saarlandstr. 12 widersprüchlich)
Berta Goldschmidt, Abt.-Leiterin, * 31.1.1892 in Neustadt-Gödens
Wann die Familie nach Dortmund zog, konnte bisher nicht ermittelt werden, doch hatte die Familie bereits eine Dortmunder Voradresse, als sie am 6.5.1919 in das Haus Ardeystr. 112 einzog.
Der Vater verstarb bereits einen Monat nach dem Umzug, die Mutter ca. 6 Jahre später. Die Töchter Emilie und Berta behielten die Wohnung bei. (Das Hausstandsbuch enthält zwar einen zweiten Zuzugstermin 1929, doch wurde vorher nie ein Wegzug eingetragen. Auch die Stichproben-Prüfung der Dortmunder Adressbücher ergab keinen Hinweis auf einen Wegzug.)
Die Ardeystr. wurde 1937 in Saarlandstr. unbenannt und heißt so noch heute. Eine Umnummerierung im Zuge der Umbenennung oder später konnte nicht festgestellt werden. Da im Hausstandsbuch kein Wegzug eingetragen ist, lässt sich die folgende Entwicklung anfangs nur vage rekonstruieren.
Ca. Mitte 1939 beginnt für die beiden Schwestern die Odysee durch verschiedene Dortmunder „Judenhäuser“.
Ein Eintrag im Hausstandsbuch Moritzgasse 3 lässt darauf schließen, dass sie noch versuchten, Deutschland zu verlassen, der Kriegsbeginn dies aber verhinderte. Im Adressbuch 1939 ist Emilie Goldschmidt noch unter Saarlandstr. 112 eingetragen. Am 11.9.1939 ziehen beide Schwestern von Hamburg kommend (!!) in die Moritzgasse 3 ein. Danach ergeben sich folgende Anschriften:
Moritzgasse 3:/ 11.9.1939 – 21.10.1939
Lindenstr. 45:/ 21.10.1939 – 30.5.1940
Moritzgasse 3 erneut: / 30.5.1940 – 22.4.41
Stubengasse 18:/ 22.4.41 – 27.1.1942
Am 27.1.1942 wurden die Schwestern nach Riga deportiert und sind dort wahrscheinlich umgekommen. Das „Riga-Gedenkbuch“ verzeichnet sie unter den Toten des Transports. Weiterleitungen in andere Lager sind nicht verzeichnet.
Die beiden Schwestern sind als Opfer der Shoah zu betrachten. Ihr Lebensmittelpunkt in Dortmund war über zwei Jahrzehnte das Haus Saarlandstr. 112.