Rosenbaum, Hans-Jacob
Aus ErPort
Hans-Jacob Rosenbaum
Stolpersteinstandort: Do-Hombruch, Harkortstr. 71/71a
Die genauen Wohndaten für die jüdische Familie Martin und Jenny Rosenbaum in Hombruch lassen sich leider nur ungenau ermitteln, da Adressbücher für Hombruch nicht durchgängig veröffentlicht wurden und das System der Hausstandsbücher wohl erst mit der Eingemeindung Hombruchs nach Dortmund dort eingeführt wurde. Im einzigen Hombrucher Hausstandsbuch, in dem ein Eintrag entdeckt werden konnte, fehlt leider das Zuzugsdatum. Ob der Familienvater, der in Hombruch geboren wurde, durchgängig, bis zum erzwungenen Umzug in die Innenstadt, dort lebte, ist so nicht mehr feststellbar.
Die Familie Rosenbaum bestand aus:
Martin Rosenbaum, * 23.10.1887 in Hombruch
Jenny Rosenbaum, geb. Neugarten, *20.7.1888 in Mengede
Hans-Jacob Rosenbaum, * 10.5.1923 in Hörde
Bei der Geburt des Sohnes wohnte die Familie in der Bahnhofstr. 27b. Im Rahmen der Eingemeindung wurde die Bahnhofstr. in Harkortstr. umbenannt. Wieweit es damals dabei auch zu Umnummerierungen kam, konnte nicht ermittelt werden.
Im Dortmunder Adressbuch von 1931 ist die Familie unter Harkortstr. 27 eingetragen und im Adressbuch des Jahres 1933 unter Harkortstr. 71. Im Hausstandsbuch der Harkortstr. 27 konnte kein Eintrag ermittelt werden.
Aber auch aus den bis 1941 kontinuierlich erscheinenden Dortmunder Adressbüchern lassen sich die Wohnsitze der Rosenbaums nur eingeschränkt rekonstruieren, da die dortigen Einträge lückenhaft, widersprüchlich und teilweise nachweislich falsch sind. Martin Rosenbaum führte in Hombruch das Kaufhaus – an anderer Stelle auch als Konfektionsgeschäft bezeichnet - Geschwister Neugarten. Die gemieteten Geschäftsräume befanden sich im Haus Harkortstr. 71, wo sich die Familie zumindest kurzfristig ebenfalls eingemietet hatte.
Im Adressbuch von 1934 erscheint erstmalig in den Adressbüchern das Haus Harkortstr. 71 a und Martin Rosenbaum wird als Eigentümer und Bewohner genannt. Es dürfte wohl so sein, dass Martin Rosenbaum eine vorhandene Baulücke neben den Haus mit den Geschäftsräumen genutzt hat, um dort eine Heimstätte für sich und seine Familie zu schaffen.
Bis zum Adressbuch 1940 wird er als Eigentümer des Hauses 71a in den Adressbücher geführt. Erst im letzten während des Krieges erschienenen Adressbuch von 1941 wird als neue Eigentümerin eine Ärztin genannt. Er selbst wird dort noch als Bewohner ausgewiesen, was nachweislich der Hausstandsbücher jedoch falsch ist.
Die Familie wurde bereits früh von den Nationalsozialisten angefeindet und diffamiert. In der Parteizeitung „Rote Erde“ erschien bereits am 11.4.1933 ein abfälliger Artikel, in dem Martin Rosenbaum als „übelster Hebräer im Stadtteil Hombruch“ bezeichnet wurde. Gerade dieser Artikel lässt aber darauf schließen, dass er ein gutes Verhältnis zur Arbeiterschaft pflegte und dort einen guten Ruf besaß.
Aufgrund der nationalsozialistischen Maßnahmen dürfte sich der wirtschaftliche und soziale Druck auf die Familie laufend erhöht haben. Nach der sogenannten Kristallnacht wurde Martin Rosenbaum festgenommen. Immerhin erfolgte die Inhaftierung so spät am 12.11.1938, dass er dem Zug, mit dem ein Großteil der in Dortmund inhaftierten männlichen Juden an diesem Tag in das KZ Sachsenhausen verbracht wurde, nicht mehr zugeteilt werden konnte. Nach einer Woche Haft in der Steinwache kam er wieder frei.
Anfang August 1939 verließ die Familie Hombruch und zog in die Staufenstr. 13. Von dort musste sie am 9.10.1941 in ein sogenanntes „Judenhaus“ Uhlandstr. 9 wechseln.
Im Hausstandsbuch der Uhlandstr. 9 ist in der Abmeldespalte für alle drei Rosenbaums der Vermerk „Am 30.4.1942 nach dem Osten abgeschoben“ eingetragen. Später wurde nachträglich hinzugefügt: „lt. Beschluß des A.G. Dortmund am 31.1.48 (6 II 269/279-47) für tot erklärt seit 8.5.45“
Das angegebene Wegzugsdatum entspricht dem Deportationstransport nach Zamosc/Polen. Aus diesem Transport sind keine Überlebenden bekannt geworden. Nach dem bisherigen Stand der Erkenntnisse sind die Deportierten nach wenigen Wochen und Monaten bei Erschießungsaktionen oder in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor oder Majdanek ermordet worden.
Martin, Jenny und Hans-Jacob Rosenbaum sind eindeutig Opfer der Shoah.