Schweitzer, Helena
Aus ErPort
Helena Schweitzer
Stolpersteinstandort: Do-West , Chemnitzer Str. 8
Die Familie bestand aus:
Siegfried Schweitzer, Elektriker/Installateur, *15.5.1885 in Düren
Helena Schweitzer, geb. Pins, *14.9.1887 in Lüdinghausen
Norbert Willi Schweitzer, *26.12.1923 in Dortmund
Lore Schweitzer, *15.3.1927 in Dortmund
Siegfried Schweitzer hatte, als das Ehepaar am 3. Februar 1923 in Lüdenscheid die Ehe schloss, bereits seine Wohnsitz in Dortmund. Lt. den Geburtsurkunden wohnte die Familie bei der Geburt des Sohnes in der I. Kampstr. 107, bei der Geburt der Tochter in der Hohensyburgstr. 8. Im Widerspruch dazu steht der Eintrag in das Hausstandsbuch der Chemnitzer Str. 8, das nach dem Zuzug von 1924 bis 1939 keine weiteren Zu- und Wegzüge verzeichnet.
Siegried Schweitzer verstarb am 9.10.1936 in seiner Wohnung in Dortmund in der Chemnitzer Str. 8. Die Meldung beim Dortmunder Standesamt erfolgte durch den Kaufmann Theodor Ochs aus Düren.
Für die Kinder Norbert und Lore ist der Wegzug am 6.1.1939 eingetragen. Als Ziel wurde lapidar nur „Holland“ eingetragen.
Der weitere Lebens- und Leidensweg von Norbert Schweitzer ergibt sich aus den Auswertungen der Angaben in den Wiedergutmachungsakten der Schwester Lore und der Gedenkstätte Westerbork . Demnach kamen beide mit einem Kindertransport am 4.1.1939 in die Niederlande, wo sie aber alsbald getrennt und in verschiedenen Hostels untergebracht wurden. Sie erhielt eine letzte Nachricht von ihm 1941 aus Amsterdam. Nach Auskunft der Gedenkstätte Westerbork lebte Willi Schweitzer nach seiner Ankunft am 5.1.1939 zuerst in Eindhoven und in der Wieringermeer. Dort war eine jüdische landwirtschaftliche Ausbildungsstätte, das 'Werkdorp der Stichting Joodse Arbeid'. Junge jüdisch-deutsche Flüchtlingen im Alter von 18 bis 24 Jahren wurden dort untergebracht und sollten nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung nach Palästina auswandern. Norbert war als 'leerling landbouwer' (landwirtschaftlicher Lehrling) tätig.
Das Ausbildungslager Wieringermeer wurde 1941 aufgehoben und die jungen Leute nach Amsterdam umgesiedelt. Ab November 1941 wohnte er in Amsterdam (Plantage Fraschelaan 13).
In das Lager Westerbork kam er im Mai 1943 und wurde am 23.3.1944 nach Auschwitz deportiert.
Auschwitz – Sachsenhausen
Am 6. Februar 1945 wurde er von Sachsenhausen kommend als „Hol. J.“ (holländischer Jude) mit der Häftlingsnummer 46119 im KZ Flossenburg verzeichnet. Vierzehn Tage später wurde er in das Außenlager Obertraubling (bei Regensburg) überstellt.
In den Gedenkbüchern des Bundesarchivs und der Niederlande ist für Norbert Schweitzer das Todesdatum 2. Mai 1945 verzeichnet, als Todesort Flossenbürg.
Eine kurze Geschichte des Nebenlagers Obertraubling kann dem Buch „Der Ort des Terrors Bd. 4“ entnommen werden. Demnach bestand das Lager vom 20.2. bis zum 15.4.1945 und war anfangs mit 600 Häftlingen, davon fast die Hälfte, die von Auschwitz über Sachsenhausen nach Flossenbürg gekommen waren, belegt. Sie befanden sich bereits in einem schlechten körperlichen Zustand und mehr als hundert starben auch durch eine dort ausbrechende Ruhrepidemie. Dazu gehörte Norbert Schweitzer wohl nicht. Für die Sterbebücher der Gemeinde Obertraubling bzw. der Gemeinde Barbing meldete das Standesamt Obertraubling Fehlanzeige.
Am 16.4.1945 wurde das Lager aufgelöst und die verbliebenen Häftlinge teils per LKW (Kranke), teils zu Fuß in Richtung Dachau in Marsch gesetzt.
Nach den Ausführungen in der Wiedergutmachungsakte konnte Lore Schweitzer der Shoah entkommen. „Sie hielt sich in verschieden Hostels in Bergen-aan-Zee, Driebergen und Rotterdam auf, dann bei einer Familie in Eindhoven, zuletzt in einem Kinderheim in Amsterdam. Am 14. Mai 1940 wurden die Kinder des Heimes auf einem holländischen Frachter eingeschifft, der sie nach England brachte. Auf dem Weg wurde das Schiff von deutschen Fliegern angegriffen, entkam aber. Am 19.5.1940 kam sie in Liverpool an und lebte dann im Jewish Refugee Hostel in Manchester. Dort besuchte sie noch ein Jahr die Volksschule, danach zwei Jahre eine Berufsschule und begann im Jahr 1943, als Stenotypistin zu arbeiten. Im Jahr 1948 heiratete sie Jacob Bernstein.“ Auf der Karteikarte ihres Widergutmachungsantrages sind für 1956 ff. Anschriften in Manchester verzeichnet.
Helena Schweitzer verblieb noch einige Monate im Hause Chemnitzer Str. 8. Mit dem Wegzug der Kinder zog dort eine Klara Jungheim, geb. Stern, ein. Mit dieser zusammen zog sie Anfang Juli 1939 zum Hiltropwall 2 und Anfang April 1940 zur Stiftstr. 17. Allein ging es weiter am 21.8.1941 zur Otto-Schramme-Str. 46 (Hohe Str. 104) und von dort am 1.3.1942 zur Paderborner Str. 108.
Im Hausstandsbuch Paderborner Str. 108 ist kein Wegzug eingetragen, doch geht aus anderen Quellen hervor, dass dies ihre letzte Dortmunder Anschrift war und sie von hier aus am 29.7.1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Lt. dem Theresienstädter Gedenkbuch wurde sie von dort am 9.10.1944 nach Auschwitz deportiert. Seitdem fehlt jedes Lebenszeichen. Sie ist wohl direkt bei der Ankunft in Auschwitz ermordet worden.