Eber, Henriette
Aus ErPort
Henriette Eber
Stolpersteinstandort: Do-Ost, Märkische Str. 50
Die Familie Spiegel bestand aus:
Arthur Spiegel, Kaufmann, *12.6.1871 in Hagen
Lina Spiegel, geb. Jonassohn, *2.1.1870 in Ergste
Tochter Elli, *14.4.1899 in Neheim
Tochter Margarethe, *2.11.1900 in Neheim
Sohn Paul, *27.10.1902 in Neheim
Tochter Hilda, *18.1.1906 in Dortmund
Sohn Rudolf, 19.7.08 in Dortmund
Tochter Lotte, 3.6.1913 in Dortmund
Die Eheschließung der Eltern erfolgte am 3.10.1898 in Neheim. Die Familie zog von Bochum kommend am 16.11.1905 nach Dortmund, Steinstr. 2.
Am 6.4.1933 wechselte die Familie, damals noch fünf Personen, zur Märkischen Str. 50.
Die Tochter Margarethe heiratete 1922 den Kaufmann Max Meier und verließ das Elternhaus. Sie wurde später von Dortmund nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert und ist seither verschollen.
Die Tochter Hilde starb bereits als Kleinkind am 22.10.1906.
Der Sohn Rudolf verzog am 27.2.1929 nach Remscheid, kehrte aber 10 Jahre später in das Elternhaus zurück.
Die Ehefrau Lina Spiegel verstarb am 12.7.1939 in Dortmund an einem Herzschlag.
Sohn Paul, Berufsangabe Geschäftsführer, emigrierte am 3.1.1939 nach Hoek van Holland.
Dies war wohl nur eine Zwischenstation. Er lebte Ende der 50er Jahre in Buenos Aires/Argentinien.
Die Tochter Lotte, von Beruf Verkäuferin verließ das elterliche Haus im April 1934 in Richtung Paderborn, kehrte aber im November 1936 in die elterliche Wohnung zurück. Sie emigrierte Anfang Mai 1939 nach Great Yarmouth in England. In den 50er Jahren lebte sie in New York.
Zur Familie hinzu kam am 1.2.1939 Frau Henriette Eber, Rentnerin, *8.1.1866 in Ergste.
Es dürfte sich dabei um eine ältere Schwester von Lina Spiegel gehandelt haben.
Am 16.1.1942 mussten die verbliebenen Familienmitglieder, Vater Arthur, Tochter Elli, Sohn Rudolf und Frau Eber die Wohnung Märkische Str. 50 räumen und wurden in der Parsevalstr. 2 untergebracht.
Im Hausstandsbuch der Parsevalstr. 2 fehlen die Abmeldungen für Vater Arthur und Tochter Elli. Nur für Sohn Rudolf ist die Deportation nach Riga eingetragen. Im Riga-Gedenkbuch ist er in der Totenliste eingetragen. Nach den dortigen Daten hat er die Auflösung des Ghettos überlebt und ist im August 1944 vom
KZ Stutthof kommend in das KZ Buchenwald eingeliefert worden.
Nach Auskunft der Gedenkstätte Buchenwald kam Rudolf Spiegel mit einem Transport von 1350 Häftlingen aus Stutthof an. Er wurde zuerst im Zeltlager des „Kleinen Lagers“ (Quarantänelager) untergebracht und kam am 8. September 1944 mit einen Transport von 1000 Häftlingen in das Außenlager „Wille“ in Rehmsdorf, wo er Zwangsarbeit für die Firma „Brabag“ leisten musste. Denn Unterlagen nach verstarb er nicht in diesem Außenlager, da dies in den täglichen Veränderungsmeldungen registriert worden wäre. Das Lager wurde am 6.4.1945 in Richtung Theresienstadt evakuiert. In dem „Theresienstädter Gedenkbuch“ ist Rudolf Spiegel aber nicht verzeichnet, so dass man davon ausgehen muss, das er während des Evakuierungstransportes umgekommen ist.
Arthur Spiegel steht auf der Liste des Theresienstadt-Transports X/1 vom 29.7.1942. Er wird ebenfalls in der Totenliste des Theresienstadt-Gedenkbuches geführt. Nach den dortigen Angaben ist er am 9.3.1943 dort verstorben.
Das Schicksal der Tochter Elli ist ungewiss. Nach der Wiedergutmachungsakte soll sie erst nach Riga und von dort nach Theresienstadt deportiert worden sein, wo sie verstarb. Dieser Verlauf widerspricht aber allen bisherigen Erfahrungen und das angegebene Todesdatum beruht eindeutig auf einer Personenverwechselung. Lt. einer Riga-Überlebenden sollen aber Rudolf und Elli gemeinsam deportiert worden sein. Da es für diesen Transport keine eindeutige Transportliste gibt, ist eine genaue Rekonstruktion des Schicksals der Elli möglich. Die bisherigen Erfahrungswerte lassen es aber als möglich erscheinen, dass auch sie nach Riga zwangsverschickt wurde.
Für Frau Henriette Eber lässt sich ebenfalls kein Austrag aus dem Hausstandsbuch Parsevalstr. 2 finden. Sie wurde, wie ihr Schwager am 29.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie bereits nach zwei Wochen am 14.8.1942 verstarb.
Arthur, Elli, Rudolf Spiegel und Henriette Eber sind als Opfer der Shoah anzusehen.

