Wollstein, Hildegard

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Hildegard Wollstein

Stolpersteinstandort: Do-Aplerbeck, Köln-Berliner Str. 13

Datei:Stolperstein hildegard wollstein.jpg
Stolperstein für Hildegard Wollstein



Die Familie Andres wohnte über Jahrzehnte im Hause Köln-Berliner Str. 13 (vormals Präsidentenstr. 13, vormals Chausseestr. 13) in Aplerbeck. Die genauen Wohndaten lassen sich nicht ermitteln, da die Hausstandsbücher der Köln-Berliner Str. fast unlesbar sind.


Die Familie bestand aus:


Josef Andres, Schneidermeister bzw. Kaufmann, * 4.6.1859 in Aplerbeck

Ehefrau Margarete/Margaretha, geb. Schleich, * 20.4.1868 in Schwerin/Warthe (Skwierzyna)

Tochter Hertha Katzenstein, spätere Berufsangabe Buchhalterin, * 18.1.1899 in Aplerbeck

Tochter Hildegard Wollstein, spätere Berufsangabe Buchhalterin, * 2.3.1901 in Aplerbeck

Sohn Kurt, * 2.3.1901 in Aplerbeck, # 22.3.1901 in Aplerbeck (20 Tage alt)

Sohn Walter, spätere Berufsangabe Kaufmann/Zuschneider/Schneider, dann Sportlehrer/Trainer * 16.10.1903 in Aplerbeck


Auf allen Geburtsurkunden wird als Wohnort der Eltern die Chausseestr. 13 angegeben. Im Einwohnerbuch für Hörde und die Ämter Aplerbeck und Wellinghofen 1926 sind Josef, Hertha, Hildegard und Walter mit der Anschrift Präsidentenstr. 13 verzeichnet. Da die Kinder berufstätig waren, wurden sie wie Personen mit eigenen Hausstand behandelt.

Tochter Hildegard muss im Zeitraum zwischen 1926 und 1932 aus dem Elternhaus ausgezogen sein, denn als die Familie nach mehr als 30 Jahren das Haus Köln-Berliner Str. verließ, wurde sie nicht mehr am nächsten Wohnort eingetragen. Die übrigen Familienmitglieder zogen am 17.10.1932 zum Aplerbecker Marktplatz 9. Von dort aus trennen sich zumindest zeitweilig die einzelnen Lebenswege der Familienmitglieder.


Josef Andres verstarb am 12.4.1935 im Josefs-Hospital in Hörde.


Mutter Margarete/Margaretha zog am 27.8.1935 zusammen mit Tochter Hertha zum Ostenhellweg 32, wo der Sohn Walter, der sich inzwischen im Saarland aufgehalten hatte, nach wenigen Wochen ebenfalls zuzog. Margarete/Margaretha und Hertha meldeten sich dann am 28.10.1938 nach Reichenbach im Vogtland ab.

In der Central Database of Shoah Victims´ Names der Gedenkstätte Yad Vashem lassen sich drei Datensätze basierend auf dem Bundesarchiv-Gedenkbuch, dem Berliner und Theresienstädter Gedenkbuch finden. Demnach wurde Margarete/Margaretha Andres mit dem Transport I/96 von Berlin nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 1.8.1943 verstarb.


Tochter Hertha hat nach dem Verlassen Dortmunds wohl noch geheiratet. In der Central Database lassen sich von ihr ebenfalls drei Eintragungen unter dem Namen Hertha Katzenstein finden. Entsprechend den dortigen Angaben wurde sie am 12.1.1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert und ist seither verschollen. Sie wurde am 28.10.1958 (Az. 59-II, 239-241/58) mit Wirkung 30.4.1943 für tot erklärt.


Auf der Geburtsurkunde der Tochter Hildegard sind zwei Eheschließungen verzeichnet.

Erstmalig heiratete sie 1934 in Reichenbach im Vogtland. Die zweite Ehe wurde am 10.8.1942 in Berlin Tiergarten geschlossen. Der von der Schwägerin irrtümlich in Dortmund gestellte Wiedergutmachungsantrag lautet auf Hildegard Wollstein, geb. Andres, verwitwete Niklas.

Im Buch von Wolfgang Noczynski über die jüdische Gemeinde Aplerbeck bezeichnet er sie als verheiratete Wolfstein. In der Central Database gibt es zwei Datensätze aus unterschiedlichen Quellen für sie unter dem Namen Wollstein. Der zutreffende Name dürfte Wollstein gewesen sein. Nach dem Berliner Gedenkbuch wohnte sie zuletzt in Berlin-Wilmersdorf, Duisburger Str. 6. Von dort wurde sie am 3.3.1943 nach Auschwitz deportiert und ist seither verschollen. Sie wurde gleichzeitig mit ihrer Schwester vom Amtsgericht Dortmund für tot erklärt.


Maragretha/Margarete Andres und Hertha Katzenstein wurden fälschlich als von Dortmund nach Riga deportiert und in Stutthof verstorben in das Riga-Gedenkbuch eingetragen.


Das Schicksal von Walter Andres ist von allen Familienmitgliedern bisher am besten dokumentiert. Anfangs versuchte er sich wohl den Verfolgungen dadurch zu entziehen, dass er in das damals noch unter Völkerbundsmandat stehende Saargebiet auswich.

Vom Aplerbecker Markt 9 zog er am 22.9.1933 nach Landsweiler/Saar, kehrte aber schon nach knapp drei Monaten zurück. Am 5. Februar 1934 zog er dann nach Saarbrücken. Von dort kam er aber nach 9 Monaten zurück und wohnte in der Wohnung der Mutter und Schwester am Ostenhellweg 32. Während dann am 28.10.1938 die Mutter und Schwester wohl zur Schwester Hildegard nach Reichenbach übersiedelten, blieb er in Dortmund und zog zur Lessingstr. 60. Am 29.12.1938 heiratete er seine Frau Emmi, geb. Rosenthal, * 31.10.1915 in Dortmund.

Das Ehepaar wurde gezwungen am 10.4.1941 in das „Judenhaus“ Stiftstr. 21 umzuziehen. Sie wurden auf die Liste der geplanten Riga-Deportation gesetzt und am 27.1.1942 nach Riga deportiert.

Das Ehepaar konnte zumindest bis zur Überstellung in das KZ Stutthof Kontakt halten. Bei der Einlieferung in Stutthof wurden Männer und Frauen getrennt. Danach gibt es über das Schicksal von Walter Andres nur noch unsichere Berichte. Nach dem, was seiner Frau zur Kenntnis gelangte, soll er noch auf ein Schiff verbracht und beim „Evakuierungstransport“ verhungert sein. Auf der Wiedergutmachskarteikarte ist der 30.4.1945 als Todesdatum eingetragen.

Ein Gerücht, dass sein Leichnam in Schleswig-Holstein angeschwemmt und dort begraben wurde, hat bisher noch keine Bestätigung gefunden.