Klonower, Henriette (Jette)

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Henriette (Jette) Klonower

Stolpersteinstandort: Do-Brackel, Brackelner Hellweg 116

Datei:Stolperstein henriette (jette) klonower.jpg
Stolperstein für Henriette (Jette) Klonower



Die Familie Klonower bestand aus:


Julius Klonower, Kaufmann, * 17.5.1881 in Danzig

Henriette/Jette Klonower, geb. Lichtmann , * 24.7.1886 in Gorzno Krs. Strasburg

Tochter Ottilie, * 5.10.1912 in Brackel

Tochter Lieselotte, *12.10.1914 in Brackel

Sohn Helmuth, * 3.12.15 in Brackel

Tochter Irma, * 24.5.1920 in Brackel

Tochter Ruth, *9.11.1924 in Brackel


Weiterhin gehörten zum Haushalt:

Regina Lichtmann, * 25.11.1897 in Gorzno


Nach dem Eintrag im Hausstandsbuch zog das Ehepaar am 10.8.1910 am Brackeler Hellweg 116 zu. Auf der Geburtsurkunde der ersten Kinder wird als Anschrift der Eltern die Anschrift Brackel, Westenhellweg 18 angeführt. Auf der Geburtsurkunde der Tochter Ruth lautet die Anschrift Hellweg 116. Da Brackel eingemeindet wurde, musste der Westenhellweg umbenannt werden. Ob es sich bei der Anschriftenänderung der Klonowers nur um eine Änderung der Straßenbezeichnung und Umnummerierung oder einen Umzug gehandelt hat, konnte hier nicht ermittelt werden.


Von den fünf Kinder des Ehepaares konnten vier der Shoah - teilweise auf abenteuerlichen Wegen - entkommen.

Tochter Ottilie erkrankte im Alter von acht Jahren schwer (Meningitis ?) und war danach dauernd geistig behindert. Sie lebte wohl lange Zeit in einem Heim, wurde 28.11.1939 in das Provinzialkrankenhaus in Aplerbeck eingewiesen, wo sie am 5. Juli 1940 verstarb. Als offizielle Todesursache wurde „Idiotie, Lungentuberkulose“ angegeben .

Tochter Lieselotte meldete sich am 17.7.1935 aus Brackel in Richtung Leipzig ab. Lt. Schwester Ruth machte in Leipzig ein Hascharakurs zur Vorbereitung der Einwanderung nach Palästina mit und erhielt ein Einwanderungszertifikat, das ihr die Übersiedlung ermöglichte. Am 6.1938 wurde sie nach Köln Sülzer Str. abgemeldet. Sie lebte Ende der 50er Jahre unter dem Namen Lea Breisacher (Dreizner) in Haifa.

Für den Sohn Helmut sind insgesamt drei Wegzüge vermeldet, wobei mindestens einer mit einem falschem Jahrgangsdatum versehen wurde. Er wird im Hausstandsbuch erst als kaufmännischer Lehrling, dann als Gärtner bezeichnet. Er meldete sich erst nach Altona-Blankenese , am 28.10.1936 nach Alsgarten in Dänemark und am 18.2.1937 nach Palästina ab. Seine Schwester Ruth bestätigt diesen Zeitablauf 1936/37. Er ist wohl identisch mit dem Antragsteller des Wiedergutmachungsantrages Helmut Klonow, der Anfang der 60er Jahre in Tel-Zur, Post Ewen -Jehuda/Israel wohnte.

Tochter Irma ist mit ebenfalls mit drei Abmeldungen eingetragen. Die erste erfolgte – das Datum ist schlecht lesbar – nach Ostende/Belgien. Im Februar 1939 meldete sie sich nach Steckelsdorf bei Rathenow . In Brandenburg befanden sich mehrere landwirtschaftliche Ausbildungsstätten für junge Juden, die nach Palästina auswandern wollten. Der dritte Eintrag ist undatiert und ohne Ortsangabe. Lt. ihrer Schwester Ruth gelang es ihr nach Dänemark und später nach Schweden zu entkommen und 1949 nach Israel einzuwandern. Aus der Database von Yad Vashem geht hervor, dass sie Mitte der 50er Jahre unter dem Namen Irma Tiser in Israel lebte.

Tochter Ruth kam mit Hilfe des Onkels Jacob Lichtmann erst mit einen Kindertransport nach Belgien, später nach Südfrankreich und von dort gelang ihr zum Jahreswechsel 1942/43 die Flucht ins neutrale Ausland. Sie war auf dem ersten Auswandererschiff, das nach der Unabhängigkeitserklärung Israel erreichte. Sie lebt heute als Ruth Tamir in Aschkelon.

Als Abmeldung für die Eltern Julius und Henriette/Jette Klonower steht im Hausstandsbuch nur ein undatiertes „unbekannt verzogen“. Sie standen auf der Liste der für Dezember 1941 geplanten Deportation nach Riga. Ob sie bei der am 27.1.1942 durchgeführten Deportation dabei waren, ist nicht erwiesen, aber wahrscheinlich. Im „Riga-Gedenkbuch“ sind sie nicht erfasst. Die Yad Vashem Database Einträge, die von der Tochter Irma stammen, geben jeweils Riga als Todesort an. Auch in den Wiedergutmachungsakten wird Riga als Deportationsort angeführt. Es ist anzunehmen, dass sie nach Riga deportiert worden und dort umgekommen sind.

Amtlich wurden Henriette/Jette und Julius Klonower mit Wirkung 8.5.1945 für tot erklärt. Sie sind als Opfer der Shoah anzusehen.

Bei der ebenfalls am Brackeler Hellweg 116 wohnenden Regina Lichtmann handelt es sich mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit um eine jüngere Schwester der Henriette/Jette Klonower, da beide in den vorliegenden Unterlagen als Vater jeweils ein Yehuda genannt wird. Der genaue Zuzug der Regina Lichtmann ist ungewiss. Den Eintrag im Hausstandsbuch könnte man so interpretieren, dass sie schon beim Einzug des Ehepaares dabei war. Sie meldete sich am 2.1.1939 nach Berlin, Ansbacher Str. 23 ab. Laut Theresienstädter Gedenkbuch wurde sie mit dem Transport I/71 am 4.10.1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 16.5.1944 erfolgte die Weiterdeportation nach Auschwitz Der Eintrag im Gedenkbuch erfolgte in der Liste der „Umgekommenen“.