Lünemann, Wilhelm

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Wilhelm Lünemann

Stolpersteinstandort: Do-Eving, Evinger Str. 34

Datei:Stolperstein wilhelm lünemann.jpg
Stolperstein für Wilhelm Lünemann




Das Schicksal des Wilhelm Lünemann wird in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache kurz dargestellt. Eine etwas ausführlichere Kurzbiographie von Lore Junge liegt als maschinenschriftliches Manuskript im Stadtarchiv vor.


Karl Wilhelm Lünemann – so offiziell nach der Geburtsurkunde - wurde als viertes von zwölf Kindern des Ehepaares Heinrich Lünemann und seiner Frau Friederike, geb. Müller, in der Dortmunder Nordstadt (Blücherstr. 23) am 2.4.1898 geboren.

Nach seiner Geburtsurkunde waren die Eltern katholisch, nach dem späteren Eintrag in das Hausstandsbuch Jakobstr. 14 war der Vater katholisch und die Mutter evangelisch.

Die Kinder scheinen aber alle katholisch getauft worden zu sein.

Die vielköpfige Familie, darunter schon das erste Enkelkind, zog am 12.4.1912 in die Jakobstr. 14.

Die Mutter starb 1926, der Vater verzog 1931 zum Henselweg 40. Die Jakobstr. 14 kann als langjähriger Lebensmittelpunkt der Familie Lünemann angesehen werden.


Von den Kinder verblieb Wilhelm Lünemann am längsten in der Wohnung Jakobstr. 14.

Das Hausstandsbuch verzeichnet seine Wegzug erst für 20.1.1934. Als neue Anschrift wird Evinger Str. ohne Hausnummer angegeben.

Die neue Anschrift konnte aus den Adressbüchern als Evinger Str. 26 ermittelt werden. In der Folge konnte eine durchgehende Chronologie seiner Wohnorte anhand der Hausstandsbücher festgestellt werden.


Jakobstr. 14 12.4.1912 – 20.1.1934

Evinger Str. 26 20.1.1934 – 27.11.1935

Schillstr. 16 27.11.1935 – 11.2.1937

Evinger Str. 26 11.2.1937 - -10.10.1938

Evinger Str. 9 10.10.38 – 1.5.1941

Evinger Str. 34 1.5.1941 – 4.1.1944

Der Austrag in der Evinger Str. 34 lautet: „+ hingerichtet worden“.


Trotz dieser durchgehende Chronologie konnten die widersprüchlichen Aussagen zu seinem Personenstand nicht geklärt werden. Während er in der Jakobstr. als ledig verzeichnet und auch kein Hinweis auf eine Eheschließung feststellbar ist, wurde er beim Eintrag in das Hausstandsbuch Evinger Str. 26 als „verw(itwet)“ eingetragen.

Auch in den folgenden Hausstandsbüchern wird sein Familienstand entsprechend angegeben. Auf seiner Geburtsurkunde ist aber keine Eheschließung verzeichnet. In der Todesurkunde wird angegeben: „Die Namen der verstorbenen Ehefrau sind unbekannt.“ Auch in den biographischen Abriss in der Anklageschrift fand sich kein Hinweis auf eine Ehe.

Auch die Einträge in der Spalte Religion differieren. Ein Kirchenaustritt ist in der Jakobstr. nicht verzeichnet. In der Evinger Str. 26 und der Schillstr. erscheint er als Dissident. Das Hausstandsbuch Evinger Str. 9 klassifiziert ihn als „gottlos“ und unter der Hausnummer 34 erscheint er als „gottgl(äubig)“.


Nach Lore Junge und der hier vorliegenden Anklageschrift des Oberreichsanwaltes beim Volksgerichtshof arbeitete Willi Lünemann nach der Schulentlassung als Bergmann. Während des I. Weltkriegs war er Soldat an der Ost und Westfront und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Seine Erfahrungen als Soldat sollen ihn zum erklärten Antimilitaristen gemacht haben. Nach dem Krieg war er wieder als Bergmann tätig, doch war er zwischen 1926 bis 1939 mit kurzen Unterbrechungen arbeitslos. Ob diese Arbeitslosigkeit aus seinem politischen Engagement begründet war, ist zwar nicht eindeutig, aber wahrscheinlich. Er war seit 1925 Mitglied des RFB, ab 1926 der KPD. Weiterhin war in der RGO und der Roten Hilfe. In der KPD in Eving übte er die Funktion des Literaturobmanns aus. Auch stellte er seine Wohnung für Funktionärstreffen zur Verfügung.

Bereits 1933 wurde er als aktiver Kommunist von den Nationalsozialisten über ein halbes Jahr (3.6.-20.12.33) in „Schutzhaft“ genommen.


Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Wehrkraftzersetzung“ wurde er – wohl aufgrund einer Denunziation - am 17.2.1943 festgenommen und am 27.7.1943 von einem Senat des Volksgerichtshofes, der damals im Amtsgericht Hamm tagte, zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 4.1.1944 im Dortmunder Gerichtsgefängnis durch Enthaupten vollstreckt.

Wilhelm Lünemann ist eindeutig ein politisches Opfer des NS-Regimes.


Weitere Informationen:

Bürgerinitiative "Gesicht zeigen gegen Rechts" - Magdalena Strugholz - Buchenlandstraße 7 - 44 339 Dortmund - Tel.: 85 03 75 - m.strugholz@gmx.de