Schild, Max
Aus ErPort
Max Schild
Stolpersteinstandort: Do-Eving, Am Gulloh 42
Die Familie Max Schild bestand aus dem Ehepaar
Max Schild, * 21.5.1881 in Schwerte
und
Karoline Friederike Wilhelmine genannt Frieda Schild geb. Basch , *2.6.1883 in Dortmund.
Folgende Wohnorte stehen fest:
Heroldstr. 47 31.1.1914 bis 17.3.1925
Lortzingstr. 20 17.3.1925 bis 9.5.1934
Am Gulloh 9.5.1934 – Abmeldung durch Todesvermerke
Die Ehe blieb kinderlos. Max Schild war zwar jüdischer Herkunft, aber bereits im Hausstandsbuch Heroldstr. wurde er, wie seine Ehefrau, als „e(vangelisch)“ eingetragen. Seine Ehefrau war nichtjüdischer Herkunft.
Max Schild hat im I. Weltkrieg Militärdienst geleistet. Das Hausstandsbuch Heroldstr. vermerkt: „28.1.19 v. Militär zurück“.
Das Haus Am Gulloh 42 hat 1935 Max Schild als Bauherr errichten lassen und als Eigentümer selbst genutzt. Die Anschrift Lortzingstr. 20 erscheint bis 1938 als Geschäftsadresse seines Manufakturwarenversandes. Auch für dieses Haus und das Haus Mallinckrodtstr. 123 ist er lt. einer Aufstellung „Häuser jüd. Besitzer, Adressbuch 1938 u. Stand 15.9.1941(jüd. Gemeinde)“ als Eigentümer verzeichnet.
Max Schild wurde im Rahmen der Verfolgungen der sogenannten Kristallnacht 1938 in der „Steinwache“ inhaftiert. Später musste er die in seinem Besitz befindlichen Schmuckstücke und Edelmetalle abliefern.
Lt. Gefangenenbuch des Polizeigefängnisses „Steinwache“ wurde Max Schild „auf Anordnung der Gestapo“ 1944 festgenommen und vier Monate später nach Auschwitz transportiert.
Seine Frau verstarb am 23.5.1944 im Städtischen Krankenhaus am Westfalendamm an Herz- und Kreislaufschwäche. Berichten nach soll sie gehbehindert und teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen sein. Ob der Tod in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Verfolgung, Inhaftierung und Deportation ihres Mannes steht, ist heute nicht mehr feststellbar.
Nach der Deportation nach Auschwitz erfolgte keine Nachricht mehr von Max Schild. Ein ehemaliger jüdischer Auschwitzhäftling namens Flatow teilte den Angehörigen der Erbengemeinschaft mit, dass er in Auschwitz in der Gaskammer ermordet wurde.
Max Schild ist eindeutig ein Opfer der Shoah.
1942 wohnte für knapp zwei Monate der Bruder Julius Schild im Hause. Er wurde 1942 nach KZ_Theresienstadt. deportiert und von dort 1943 nach Auschwitz.
Nach 1945 wohnte im Hause die am 22.7.1992 in Schwerte geborene und verwitwete Ella Feldsieper, geb. Schild, sowie ihr Sohn Willi Feldsieper, *24.12.1914.
Ella Feldsieper dürfte wohl eine Schwester von Max Schild gewesen sein und ihr Sohn Willi der Neffe. Weiterhin hatte sie einen Sohn Eugen *16.6.1910. Eugen hatte, da er vorehelich geboren war, anfangs den Namen Schild getragen und erst durch die Eheschließung den Namen Feldsieper erhalten.
Ella Feldsieper war bereits 1926 oder vorher verwitwet. Ihr Ehemann war wohl Nichtjude, denn die beiden Söhne wurden bei der Volkszählung 1939 als Halbjuden aufgenommen.
Lt. dem Buch von Ullrich Knipping wurde 1936 ein Otto Hagemeier wegen „Rassenschande“ mit ihr zu einer Haftstrafe von 9 Monaten verurteilt.
Sie wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort 1945 befreit. Am 15.7.1945 wurde sie von Theresienstadt kommend in das Hausstandsbuch Am Gulloh 42 eingetragen.
Sie starb 1954.
Ihr Sohn Eugen konnte noch kurz vor Erlass der Nürnberger Gesetzen seine nichtjüdische Partnerin heiraten. Sohn Willi heiratete erst kurz nach der Befreiung 1945. Er hatte seine Frau, die ebenfalls „Halbjüdin“ war, im Klönnelager in Hagen bei der Zwangsarbeit kennengelernt.
Weiterhin lebte dort, soweit erkennbar, die Familie Steinweg, bestehend aus Vater Gustav, Mutter Maria, geb. Krämer und Sohn Hans. Da die Ehefrau keine Jüdin war, bestand für Gustav Steinweg der Schutz einer bevorrechtigten Ehe. Alle Familienmitglieder überlebten die NS-Zeit. Die Familie zog 1945 zum Gulloh 27.
Im April 1941 wurde auch das Ehepaar Bernhard und Lina Goldmann eingewiesen. Da die Ehefrau Nichtjüdin war, handelte es sich um eine bevorrechtigte Ehe. Bernhard Goldmann wurde 1944 zur Zwangsarbeit in ein Lager bei Weißenfels deportiert. Er überlebte.
Beide wohnten bis zu ihrem Tode später Am Gulloh 38.