Pinkus, Regina
Aus ErPort
Regina Pinkus
Stolpersteinstandort: Do-West, Adlerstr. 101
Familie Pinkus bestand aus:
Die verwitwete Mutter Dorothea Pinkus, geb. Hirsch, *17.1.1857 in Murawana Goslina ,
Die Kinder
Max, *14.2.1890 in Posen
Paula, *21.7.1896 in Posen
Regina, *21.7.1896 in Posen
Gustav, *21.8.1898 Posen
Isidor, *23.2.1901 in Posen
Die jüdische Familie Pinkus lebte ursprünglich in Posen. Warum die Familie nach Dortmund kam, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen.
Als Posen nach den I. Weltkrieg an Polen fiel, flüchtete die Familie – wohl weil sie sich zum Deutschtum bekannte - in den Westen Deutschlands und ließen sich später in Dortmund nieder.
Lt. Frau Puls waren der Familienvater und zwei Söhne während des I. Weltkriegs ums Leben gekommen.
Die Mehrheit der Familienmitglieder lebte wohl anfangs zusammen in einem Flüchtlingsheim in Münster. Die Tochter Paula hat dann, zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt, den
Buchbinder Fritz Günther, *25.6.1896 in Breslau,
geheiratet. Wahrscheinlich zog Fritz Günther aus beruflichen Gründen nach Dortmund. Er kam anfangs allein, doch wurde er bereits als verheiratet in das Hausstandsbuch Schillerstr. 71 eingetragen. Am 16.9.1920 wurde er von „Münster/W. Flüchtlingsheim“ kommend, dort angemeldet.
Bereits nach 6 Wochen konnte er seine Ehefrau nachkommen lassen, da er eine Familienwohnung gefunden hatte. Fritz Günther war evangelisch und als er mit seiner Frau am 1. November 1920 in die Sonnenscheingasse 12 einzog, wurde bei ihr als Konfession ebenfalls evangelisch eingetragen.
Später zog dort noch die Witwe Susanna Günther, geb. Michalsky, *20.2.1861 in Neusorge Kr. Brieg zu. Es dürfte sich um die Mutter bzw. Schwiegermutter gehandelt haben. Sie verstarb am 11.12.1924.
Die Kinder des Ehepaares Günther, Lieselotte, *9.1.1922, und Heinz, *6.1.1923, kamen in Dortmund zur Welt und wurden evangelisch getauft. Die Familie verzog 1928 nach Breslau.
Kaum hatte die junge Familie Günther ihre neue Wohnung bezogen, kamen die Söhne der Familie Pinkus nach. Isidor wurde am 25.11.1920, aus dem Flüchtlingslager Münster kommend, dort gemeldet.
Max kam am 30.12.1921 aus dem Heimkehrlager Zossen. (Möglicherweise kam es aus der Kriegsgefangenschaft.)
Zuletzt zog aus Münster kommend am 4. Mai 1922 noch Gustav zu. Gustav war Schneider und verheiratet, doch sind weder Frau noch Kinder verzeichnet.
Am 19. März 1923 zog er weiter nach Ostwennemar Krs. Hamm. In Ostwennemar wurde am 16.2.1924 ein Heinz Pinkus geboren. Beide wurden am 19. Januar 1942 von Berlin aus nach Riga deportiert. Gustav ist verschollen. Heinz starb am 22. Oktober 1942 in Riga.
Am 29. August 1922 zogen die Mutter Dorothea mit der Tochter Regina von Münster aus kommend in die Adlerstr. 101 ein. Gleichzeitig verließen die beiden noch unverehelichten Söhne Max und Isidor die Sonnenscheingasse und zogen ebenfalls in die Adlerstr.
Alle Mitglieder der Familie - bis auf o. a. Paula - weisen im der Spalte Konfession den Eintrag „isr.“ [1] auf.
Diese familiäre Wohngemeinschaft löste sich in den 30er Jahre peu a peu auf.
Isidor, der im Hausstandsbuch Oesterholzstr. 25 auch mit dem Namen Karl eingetragen wurde, heiratete am 5. Dezember 1929 Else, geb.Vogelsang, *21.11.1906 in Brackel. Das Ehepaar wohnte anfangs wohl noch in der Adlerstr. 101, bezog am 10. Juni 1930 eine eigene Wohnung in der Oesterholzstr. 25.
Am 3. Januar 1931 kam im Johannes-Hospital der Sohn Hermann zur Welt.
Am 17. Juli 1931 zog die Familie weiter in die Heroldstr. 43. Schon bald nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten dürfte die Familie Deutschland verlassen haben. Das zweite Kind, die Tochter Fanny, kam bereits am 2. August 1934 in Amsterdam zur Welt.
Im Februar 1941 war die Familie in Amstel 41 huis in Amsterdam gemeldet. Lt. Auskunft der Gedenkstätte Westerbork wohnten sie dort bis zum 8.11.1942.
Isidor Pinkus betrieb einen Lebensmittelgeschäft. Dann kamen sie nach Westerbork.
Am 9. Februar 1943 wurden sie nach Auschwitz
deportiert. Else und ihre Kinder wurden wahrscheinlich direkt ins Gas geschickt. Als Todestag gilt der 12. Februar 1943.
Isidor, der zur Vernichtung durch Arbeit ausselektiert worden war, gelang es zu überleben. Er kam 1945 für vier Monate nach Brackel zurück, begab sich dann aber wieder in die Niederlande.
In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte er in New York. Er verließ Europa gegen Jahresende 1945.
Max, von Beruf Friseur, verstarb am 1. Januar 1936. Lt. dem Bericht der Frau Puls hat er sich, nachdem sein Chef dem Druck der Nationalsozialisten nachgegeben und ihn entlassen hatte, vergiftet. Der Tod trat in der Wohnung in der Adlerstr. ein und wurde von seiner Schwester Regina dem Standesamt gemeldet. Da damals noch keine Todesursachen auf der Urkunde erfasst wurden, ist der Suizid amtlich nicht belegbar.
Regina blieb unverehelicht. Sie und ihre Mutter wurden 1942 nach Riga deportiert.
Sofern sie nicht sofort das tödliche Angebot, sich mit einem Fahrzeug in das Rigaer Ghetto fahren zu lassen, angenommen hat, dürfte sie eine der „Aktionen“ im Ghetto bzw. auf den Folgestationen – z.B. dem KZ_Riga-Kaiserwald zum Opfer gefallen sein. Soweit erkennbar, gehörte sie nicht zu den Personen, die im Sommer 1944 noch das KZ Stutthoff erreichten.
Dorothea Pinkus musste am 24. März 1942 nochmals umziehen und kam zur Parsevalstr. 4.
Diese Wohnung hatte den Charakter einer Obdachlosenunterkunft. Von dort aus ist sie am 29. Juli 1942 nach KZ _Theresienstadt deportiert worden, wo sie sechs Monate später am 31. Januar 1943 den dortigen Bedingungen erlag.
Dorothea und Regina Pinkus sind eindeutig Opfer der Shoah.