Rosenthal, Hans
Aus ErPort
Hans Rosenthal
Die Familie des Viehhändlers Julius Rosenthal wohnte seit dem Jahre 1906 in der Münsterstr. 40 ½.
Julius Rosenthal war in erster Ehe mit Karoline geb. Halle verheiratet. Aus dieser Ehe stammten mindestens 8 Kinder. Die Ehefrau verstarb wenige Tage nach dem Einzug in die Münsterstr. 40 ½.
Er heiratete 1907 dann Marianne Anna geb. Rosenberg aus Hildesheim. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Hans, Kurt, Werner und Erich hervor.
Julius Rosenthal starb 1929 und seine zweite Ehefrau 1930.
Die Kinder hatten zumeist schon vorher schon das Haus endgültig verlassen. Einige kehrte aber immer wieder ins Elternhaus zurück, darunter der am 26.8.1908 geborene Hans.
Da die Einträge im Hausstandsbuch leider sehr unstrukturiert, schlecht lesbar und widersprüchlich sind, lassen sich seine Aufenthalte in der Münsterstr. 40 ½ nur eingeschränkt nachvollziehen. Sehr wahrscheinlich hat er aber am längsten die elterliche Wohnung weiterbewohnt. Bis Ende April 1941 war er dem Hausstandsbuch nach dort offiziell gemeldet und er hat wohl die Wohnung nicht aufgrund eigener Entscheidungen geräumt.
Das Haus Münsterstr. 40 ½ hatte zwischenzeitlich den Charakter eines „Judenhauses“ angenommen, ebenso sind seine beiden Folgeanschriften als „Judenhäuser“ anzusehen. Wahrscheinlich erfolgte der Auszug aus der Münsterstr. 40 ½ im Zuge der Arisierung des Hauses.
Hans Rosenthal wurde am 27.1.1942 nach Riga deportiert. In dem Riga-Gedenkbuch „Buch der Erinnerung“ wird er in der Totenliste des Dortmund-Transportes aufgeführt.
Weitere Lebenszeichen konnten nach seiner Deportation nicht ermittelt werden. Er ist wohl im Ghetto Riga oder einer der unmittelbaren Folgestationen – wie dem KZ Kaiserwald – umgekommen. Er ist eindeutig ein Opfer der Shoah.
Sein Bruder Erich, *24.11.1914 in Hörde, war behindert und wohl lange Zeit seines Lebens in den Anstalten Beelitz untergebracht.
Er hat aber auch zeitweilig in der Münsterstr. 40 ½ gewohnt. Zwischen 1939 und September 1941 war er in der Provinzial-Heilanstalt Dortmund Aplerbeck untergebracht. Von dort wurde er lt. Auskunft des Archivamtes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am 21.9.1940 in die Anstalt Wunstorf überstellt.
Nach dem jetzigen Stand der Forschung sind die jüdischen Patienten von Langenhorn und Wunstorf am 23. bzw. 27.9.1940 in Brandenburg vergast worden. Für die am 21.9.1940 von Aplerbeck nach Wunstorf überstellten ist als Todesdatum der 27.9.1940 anzunehmen.
Auf seiner Geburtsurkunde ist als Randnotiz vermerkt, dass er am 10.2.1941 in Cholm verstorben sei. Die Todesurkunden wurden in der Berliner Zentrale der sogenannten T4-Aktion ausgestellt. Um die Morde zu vertuschen, wurden in den Urkunden ein nicht existierendes Reichskrankenhaus Cholm als Todesort angegeben und von einem „Standesamt Cholm“ beurkundet.
Diese Beurkundung ist als Fälschung anzusehen.
Erich Rosenthal ist ebenfalls eindeutig ein Opfer der Shoah bzw. der Euthanasie.