Stolpersteinverlegung 9.2.2012
Aus ErPort
Am 9. Februar verlegt Gunter Demnig 29 weitere Stolpersteine in Dortmund
Begleitet von Schulen, Jugendgruppen, Kirchengemeinden und vielen engagierten Privatpersonen verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig am 9. Februar 29 Stolpersteine an 11 Standorten in Dortmund. Damit erinnern jetzt 202 Stolpersteine an Dortmunder Opfer des Nationalsozialismus.
Koordiniert wurden die Aktivitäten von der Arbeitsstelle Zukunft braucht Erinnerung des Jugendring Dortmund mit Unterstützung des Stadtarchivs. Hinter den Stolpersteinen stehen 16 Gruppen und Einzelpersonen, die die Finanzierung sicher stellen und der Verlegung einen würdigen Rahmen geben. Junge Auszubildende des Agricola Berufskollegs unterstützten den Künstler bei den Verlegearbeiten.
Interessenten an der Patenschaft für einen Stolperstein wenden sich unter andreas.roshol@spuren-suchen.de an die Arbeitsstelle Zukunft braucht Erinnerung.
Verlegestelle: Limbecker Str. 32
Stolperstein(e) für: Berta Blümchen Hoffmann
Patenschaft: Heinrich Böll Gesamtschule
Die gebürtige Lütgendortmunderin Blümchen Berta Hoffmann wurde am 27.7.1942 mit dem Transport X/I von Dortmund nach Theresienstadt deportiert. Dort ist Sie am 16.12.1942 verstorben.
Verlegestelle: Lütgendortmunder Str. 133
Stolperstein(e) für: Gertrud Bernstein
Patenschaft: Heinrich Böll Gesamtschule
Gertrud Bernstein, geb. Jacobi, wohnte dort seit Ende 1928 (zeitweilig mit ihrer Tochter Hildegard) in der Lütgendortmunder Str. 133. Am 11.11.1936 zog sie nach Berlin/Charlottenburg. Aus dem Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des NS geht hervor, dass Gertrud Bernstein am 26.06.1942 nach Osten (Minsk) deportiert worden ist. Sie gilt seither als verschollen. Ihrer Tochter Hildegard und deren Ehemann gelang die Emigration in die USA.
Verlegestelle: Dorstfelder Hellweg 66
Stolperstein(e) für: Max Buchdahl, Ida Buchdahl, Fritz Buchdahl
Patenschaft: Reinoldus Schiller Gymnasium, Wilhelm Busch Realschule, Elias Gemeinde
Die Familie Buchdahl zog im Jahre 1929 vom Geburtsort des Vaters Lichtenau im Landkreis Büren zum Geburtsort der Mutter nach Dortmund-Dorstfeld zu. In Dorstfeld wohnte die Familie vom Zuzug bis zur Deportation bzw. Emigration im Hause Dortmunder Hellweg 66. Max, Ida und Fritz Buchdahl wurden mit dem Transport vom 27. Januar 1942 nach Riga deportiert. Alle drei überlebten nicht. Als einziger überlebte Kurt Buchdahl dem die Flucht nach Palästina gelang.
Verlegestelle: Adlerstr. 36
Stolperstein(e) für: Selman Katz, Sara Katz, Kläre Katz
Patenschaft: Privatperson
Die Familie Katz wohnte bis zur Deportation am 28.10.1938 in der Adlerstr. 36. Die Abmeldung dort wurde mit dem Hinweis „ausgewiesen“ eingetragen. Es handelt sich dabei um die sogenannte „Polenaktion“ mit der polnischen Bürger jüdischen Bekenntnisses zwangsweise abgeschoben und an die polnische Grenze verbracht und ins Niemandsland getrieben wurden. In Polen gelang es den Eltern, ihre beide Söhne per Kindertransport nach Großbritannien zu bringen.
Verlegestelle: Dresdner Str. 61
Stolperstein(e) für: Johanna Krampen
Patenschaft: Privatperson
Durch ihren nichtjüdischen Ehemann war Johanna Krampen anfangs vor den schwersten Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten geschützt, da sie in einer bevorrechtigten Ehe lebte.
Nach dem Tod ihres Ehemanns (31.8.1941) Ehemann verlor Johanna Krampen den Schutz der bevorrechtigten Ehe. Im Frühjahr 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert.
Verlegestelle: Faßstr. 22
Stolperstein(e) für: Henny Königsberger, Lilly Königsberger, Fanny Löwenstein, Julie Königsberger, geb. Löwenstein
Patenschaft: Privatpersonen
Die Mutter Julie und ihre Schwester Fanny wurden am 29.7.1942 mit dem Transport X/1 nach Theresienstadt deportiert. Dort verblieben sie nur wenige Wochen, dann wurden sie am 23.9.1942 in das Vernichtungslager Treblinka überstellt. Dort sind sie höchstwahrscheinlich direkt nach der Ankunft ermordet worden.
Henny und Fanny wurden am 27.1.1942 nach Riga deportiert. Sie konnten die Deportation nach Riga und die Folgestationen relativ lange überleben. Sie kamen am 9.8.1944 im KZ Stutthoff an. Dort sind sie im Winter 1944/45 den mörderischen Haftbedingungen erlegen.
Verlegestelle: Eicktelgenweg 12
Stolperstein(e) für: Karl Mörchel
Patenschaft: Privatperson
Die beiden Brüder Karl und Erich Mörchel waren Kommunisten, die im Untergrund aktiv waren. Erich Mörchel wurde im Juni 1933 festgenommen. Im darauffolgenden Jahr wurde auch sein Bruder Karl verhaftet. Beide wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt.
Am 9. Februar 1945 wurden die Brüder zum zweiten Mal verhaftet. Am Karfreitag desselben Jahres wurden sie mit anderen Dortmunder Widerstandskämpfern und Zwangsarbeitern ermordet im Rombergpark aufgefunden. (Der Stolperstein für Erich Mörchel liegt vor dem Haus Flughafenstr. 80)
Verlegestelle: Heroldstr. 43
(Haus steht nicht mehr) Verlegung Ecke Bornstr. (SO)
Stolperstein(e) für: Else Pinkus, Hermann Pinkus, Fanny Pinkus, Isidor Pinkus
Patenschaft: IBB e.V., Ev. Lydia Gemeinde, Kath. Joseph Gemeinde
Die jüdische Familie Pinkus lebte ursprünglich in Posen. Als Posen nach den I. Weltkrieg an Polen fiel, flüchtete die Familie in den Westen Deutschlands und ließen sich später in Dortmund nieder. Schon bald nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten floh die Familie nach Amsterdam.
Am 9. Februar 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert. Else und ihre Kinder wurden wahrscheinlich direkt ermordet. Isidor, er zur Vernichtung durch Arbeit ausselektiert worden war, gelang es zu überleben.
Verlegestelle: Höhe Andreasstr. 7
Stolperstein(e) für: Thekla Neugarten
Patenschaft: Privatperson
Thekla Neugarten lete seit 1908 in dDortmund und zog am 23.4.1940 nach Witten. Sie kam Ende April 1942 nochmals nach Dortmund. In der Eintrachthalle sammelte man die Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, die nach Zamosc deportiert werden sollten. Aus diesem Transport sind keine Überlebenden bekannt geworden. Die große Mehrheit wurde nach neueren Erkenntnissen bereit in der zweiten Maihälfte 1942 umgebracht.
Verlegestelle: Münsterstr. 40 1/2
heutige Münsterstrasse 42
Stolperstein(e) für: Hermann Wollf, Jeanette Wolff, Edith Marx, geb. Wolff, Ruth Wolff (Tochter von Edith), Käthe Wolff, Julie Wolff, Julie Wolff, geb. Cohen
Patenschaft: Käthe Kollwitz Gymnasium
Die familie Wolff lebtein der Münsterstraße 40 ½ und bot einen Mittags- und Abendtisch für Juden an, da diese keinen Zutritt mehr zu den meisten Restaurants der Stadt hatten.
Jeanette Wolff, ihr Ehemann Hermann und zwei ihrer Töchter sowie die dreijährige Enkelin Ruth wurden im Januar 1942 ins Ghetto Riga deportiert. Ihren Aufenthalt dort und in verschiedenen Konzentrations- und Arbeitslagern überlebten nur die Mutter Jeanette und die Tochter Edith. Die dritte Tochter Käthe wurde schon 1939 ins KZ Ravensbrück verschleppt und dort im Jahre 1944 erschossen. Hermann Wolffs Mutter Julie wurde im Juli 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert und starb dort im Frühjahr 1943.
Nach der Befreiung und dem Kriegsende 1945 ging Jeanette Wolff mit ihrer Tochter Edith nach Berlin. In den folgenden Jahrzehnten (bis zu ihrem Tode im Jahr 1976) übernahm sie eine Vielzahl von Ämtern und Funktionen: unter anderem war sie stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland und SPD-Bundestagsabgeordnete von 1952 bis 1961.
Verlegestelle: Kleppingstr. 2
heutige Kleppingstr. 6
Stolperstein(e) für: Otto Meinecke
Patenschaft: Rosa Strippe e.V. Bochum
Otto Meinecke, geboren am 20. Oktober 1880 in Witten an der Ruhr, Fabrikant und Kaufmann von Beruf, wohnhaft 1940 in Dortmund, Kleppingstraße 2. Deportation in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, dort Opfer einer gezielten Mordaktion gegen Homosexuelle im Sommer 1942, bei der allein im Juli und August mindestens 95 namentlich bekannte Männer umgebracht wurden.
Angebliche Todesursache „Kopfschuss bei Fluchtversuch“, Tod am 13. Juli 1942