Sulima, Lili

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Lili Sulima

Stolpersteinstandort: Do-Ost, Friedrich-Uhde Str. 1

Hier stand das Haus Uhde Str. 1
Stein für Lili Sulima


Lili Sulima, geb. Rosenberg, kam am 9. Juni 1901 in Offenburg als Tochter des jüdischen Kaufmannes Siegfried Rosenberg und seiner Frau Rosa, geb. Kahn zur Welt. Als zwei Tage später der standesamtliche Eintrag erfolgte, hatten sich die Eltern noch nicht für einen Vornamen entschieden. Erst am 24.6. d. J. wurde der Vorname Lili nachgetragen.


Über ihre Jugend, Ausbildung und ihr Leben bis 1924 ist nichts bekannt. Am 19.11.1924 heiratete sie in Dortmund den Elektromonteur Erich Sulima. Das Aufgebot war beim Standesamt Untergrombach gemeldet worden. In der Eheurkunde wird ihr Beruf als Kontoristin angegeben und als ihr Wohnort Untergrombach, Amt Bruchsal, Kreis Karlsruhe.


Am 27.4.1924 bezogen die beiden Eheleute ihre erste gemeinsame Wohnung in Dortmund in der Friedrichstr. 92.

Am 5.5.1928 zogen sie zur Deggingstr. 1.


Im Hausstandsbuch Friedrichstr. 92 ist für sie in der Spalte Confession „jüd(isch)“ eingetragen, für ihn e(vangelisch). Beim Einzug in die Deggingstr. 1 steht für beide dort „diss(identisch)“.


Über ihre politischen Aktivitäten in Dortmund findet man in der Kurzbiographie von Lore Junge folgende Hinweise. „Lilli war Mitglied der KPD und arbeitete lange Jahre als Stenotypistin der Bezirksleitung der KPD Ruhrgebiet. Ab 1930 war sie Redaktionssekretärin beim „Ruhr-Echo“ in Dortmund.“


Seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten und mit dem Verbot der KPD war das Ehepaar wohl erheblichen Verfolgungen und Benachteiligungen ausgesetzt. In den Wiedergutmachungsanträgen wurde „Schaden im beruflichen Fortkommen“ erfolgreich geltend gemacht.


Mitte Februar 1934 verließen die beiden Dortmund und zogen nach Untergrombach.


Ob sich das Ehepaar schon vorher getrennt hat, konnte nicht ermittelt werden, doch emigrierte Lili Sulima 1938 allein in die Niederlande. Lt. den Meldeunterlagen der Gemeinde Untergrombach kam Sie aber erst am 1.3.1939 zur Abmeldung. Für ihren Mann ist dort keine Abmeldung verzeichnet. Zwei weitere Einträge lassen die Vermutung zu, dass er sich 1939/40 kurzzeitig wieder in Dortmund aufhielt. Ob sie diese Emigration im Auftrage der illegalen KPD vornahm, ist unbekannt. Dort jedoch engagierte sie sich - lt. Lore Junge - wieder für die KPD:

„Nach der Errichtung der Naziherrschaft emigrierte Lilli Sulima nach Holland. Sie war dort unter dem Decknamen „Meta“ von 1938 bis 1940 Mitglied der Emigrationsleitung und Mitarbeiterin von „Kurt“ dem später hingerichteten Wuppertaler Eugen Schwebinghaus. Bereits am 10. Oktober nahm die Gestapo Essen die Fahndung nach Lilli Sulima auf, konnte sie aber in Dortmund natürlich nicht finden. ...“


Lt. einem hier leider nur als Fragment (eine Seite) vorliegenden Gestapo-Protokoll wurde sie in Deutschland zur Festnahme ausgeschrieben, weil man sich von ihr Aussagen in einem Verfahren zum Sprengstoffapparat der KPD erhoffte. Sehr wahrscheinlich sollte und wollte Lili Sulima mit der Emigration der drohenden Festnahme entgehen.


Lt. der Gedenkstätte Westerbork ist beim Roten Kreuz in Den Haag ihr „Persoonsbewijs“ erhalten geblieben. Demnach war sie zuerst im Lager Vught (KZ Hertogenbosch) inhaftiert und wurde von dort am 17.3.1943 in das Lager Westerbork eingeliefert. Von dort wiederum wurde sie mit dem Hinweis „Nachtrag Normaltransport“ auf der Deportationsliste am 16.11.1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie sofort ermordet wurde. Als offizielles Todesdatum wird der 19.11.1943 angenommen.


Erich Sulima betrieb in Unkenntnis des Verbleibs seiner Ehefrau in der Nachkriegszeit ein Scheidungsverfahren. Am 12. November 1946 wurde die Ehe durch das Landgericht Karlsruhe geschieden. Er zog bald darauf nach Dortmund zurück und heiratete im Mai 1947 erneut und ist hier in Dortmund 1973 verstorben.


Lili Sulima ist eindeutig ein Opfer des NS-Regimes.