Vogelsang, Alfred
Aus ErPort
Alfred Vogelsang
Stolpersteinstandort: Do-Brackel, Asselner Hellweg 99
Die Familie des Metzgers Ludwig Vogelsang lebte über Jahrzehnte in Asseln am Asselner Hellweg 99. Ein Eintrag im Hausstandsbuch datiert den Einzug des Familienvaters auf den 8.10.1906.
Am 16.9.1908 heiratete er in Burgdorf seine Frau Helene. Lt. Adressbuch 1933 war Ludwig Vogelsang der Hauseigentümer des Hauses Asselner Hellweg 99. In den Adressbüchern 1939 bis 1941 wird seine Witwe als Eigentümerin geführt.
Die Familie bestand später aus:
Ludwig Vogelsang, * 15.2.1884 in Asseln
Ehefrau Helene, geb. Cohn, * 17.5.1887 in Burgdorf (Hannover)
Sohn Paul Philipp, ebenfalls Metzger, * 26.6.1909 in Asseln
Sohn Alfred (lt. Geburtsurkunde eigentlich Alfredi), * 19.4.1913 in Asseln
Zeitweilig wohnte auch die spätere Ehefrau des Sohnes Paul
Henrietta/Henny, geb. Jacob, * 30.3.1913 in Lenhausen am Asselner Hellweg 99.
Ludwig Vogel verstarb am 28.1.1938 in Asseln.
Seine Frau Helene musste am 1.6.1940 das Haus verlassen und es begann für sie eine Odyssee durch die verschiedenen „Judenhäuser“ Kaiserstr. 14, Westenhellweg 91 und Helmut-Barm-Str. (Leipziger Str.) 22.
Auf der Liste der geplanten Riga-Deportation im Dezember 1941 war sie nicht aufgeführt. Die Deportation wurde einige Wochen verschoben. Zwischenzeitlich muss Sie auf die Liste geraten sein, denn sie wurde am 27.1.1942 mit ca. 500 weiteren Dortmunder Bürgern nach Riga deportiert.
Das „Riga-Gedenkbuch“ führt sie ohne weitere Daten und Transporthinweise in der Totenliste. Sie dürfte bereits in Riga umgekommen sein.
Paul Philipp Vogelsang heiratete am 7.2.1937 in Lenhausen die Verkäuferin Henrietta Vogelsang. Diese zog Anfang März 1938 zum Asselner Hellweg 99.
Paul Vogelsang wurde zusammen mit seinem Bruder Alfred am 10.11.1938 nach der sogenannten „Kristallnacht“ festgenommen und war vom 12.11. bis zum 21.12.1938 Häftling des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Für Paul Vogelsang wurde in das Hausstandsbuch am 16.5.1939 eine Abmeldung nach Brüssel eingetragen; die Ehefrau zog am 9.3.1940 nach. Die Darlegungen seines weiteren Schicksals und auch das des Bruders und seiner Schwägerin beruhen auf den Ausführungen seiner Frau im Wiedergutmachungsverfahren.
Sie und ihre Tochter waren die einzigen Überlebenden des Familienverbandes Vogelsang.
Der Abmeldung nach Brüssel ging weniger eine Emigration, sondern mehr eine Flucht voraus. Gemeinsam mit seinem Freund Alfred Gottschalk begab er sich nach Köln. Von dort wurden beide von einem Mittelsmann für 2000 RM über die „grüne Grenze“ gebracht. Er kam erst bei einem Vetter in Antwerpen unter und zog im Februar 1940 nach Brüssel, wo er dann zusammen mit seiner Frau lebte.
Zu Beginn des deutschen Überfalls auf das neutrale Belgien wurden sie dort vom 10. bis 19. Mai 1940 inhaftiert und dann nach Frankreich in das Lager Gurs gebracht. Am 19.7.1942 wurde das Ehepaar aus dem Lager entlassen und er erhielt sogar eine Arbeitserlaubnis. Die Eheleute lebten für kurze Zeit in Lisbos zusammen.
Am 26.8.1942 wurde er zusammen mit seiner Frau erneut in Haft genommen und sie kamen wieder nach Gurs. Von den französichen Behörden ausgeliefert, wurde er am 4.3.1943 in das Lager Drancy bei Paris gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert.
Seitdem gilt er als verschollen.
Seine Frau wurde, da sie hochschwanger war, von der Deportation zurückgestellt. Sie brachte am 4.5.1943 in Lisbos die gemeinsame Tochter Jacqueline zu Welt.
Paul Vogelsang wurde am 15. Oktober 1950 mit drei weiteren Mitgliedern der Familie Vogelsang vom Amtsgericht Dortmund mit Wirkung vom 8.5.1945 für tot erklärt.
Alfred Vogelsang heiratete am 8.2.1939 in Castrop-Rauxel seine Frau Dorothtea, geb. Heymann, *9.1.1918 in Castrop Rauxel. Seine Frau ist im Hausstandsbuch Asselner Hellweg 99 nicht verzeichnet. Gemeinsam mit ihr flüchtete er im Mai 1939 nach Belgien. Die weiteren Haft- und Internierungsdaten entsprechen denen von Paul Vogelsang. Ihr Weg führte ebenfalls über Drancy nach Auschwitz, wo sie verschollen sind.
Auch Alfred und Dorothea Vogelsang wurden mit Wirkung 8.5.1945 für tot erklärt.
Henriette Vogelsang und ihre Tochter Jacqueline überlebten den Krieg in Frankreich und wanderten 1947 in die USA aus. Sie ließen sich in Chicago nieder. Jacqueline Vogelsang führte nach ihrer Eheschließung 1965/66 den Nachnamen Strode. Ihre letzte bekannte Anschrift stammt aus dem Jahre 1982 und lautet: 6825-N Sheridan Road Chicago, Illinois 60626 USA.
Helene, Paul, Alfred und Dorothea Vogelsang sind Opfer der Shoah.